Allgemeine Gebetsmeinung Dezember 2012

Dezember 2012

„Gott, unser Vater, wir bitten dich für alle Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten: Lass sie überall, besonders in den christlichen Gemeinden, Hilfe und gastliche Aufnahme finden.“

P. Karl Jansen SVD

Zu allen Zeiten waren Menschen aus Sorge um den Erhalt der Familie und/oder des Clans unterwegs, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Ob in der Steinzeit oder im römischen Imperium, die Motivation zur Wanderung (Migration) oder zum Ortswechsel war immer gleich und bis heute hat sich da nicht viel geändert. 

In den 60er Jahren, z.Zt. des deutschen Wirtschaftswunders, lud man offiziell „Gastarbeiter“ ein, nach Deutschland zu kommen. Arbeit gab es in Hülle und Fülle. Viele dieser Immigranten leben mittlerweile in der dritten Generation in der BRD. 

Aus den Medien erfahren wir ein wenig von der Realität der Migration heute. In Spanien rechnet man unter den jungen Leuten mit einer Arbeitslosigkeit von bis zu 50%, Auswanderung innerhalb der EU scheint momentan – wenn auch schweren Herzens – die einzige Möglichkeit zu bieten. 

Aber auch aus Deutschland wandern Mitbürger aus, um anderswo bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu finden (Mediziner, med. Personal gehen z.B. nach Großbritannien und Skandinavien). Tausende und abertausende Menschen aus Entwicklungsländern warten darauf, legal und besonders illegal mit Hilfe sogenannter „Schleuserbanden“, die sich bereichern auf Kosten der Emigrationswilligen die in die EU oder in die USA einreisen wollen. Auf der italienischen Insel Lampedusa, zwischen Tunesien und Sizilien gelegen, werden die „Wirtschaftsflüchtlinge“ - wenn sie lebend ankommen – in Auffanglagern zusammengepfercht, bevor sie wieder abgeschoben werden. Wie viele Menschen bei den Migrationsversuchen ums Leben kommen, weiß niemand zu sagen. 

Ein besonderes trauriges Kapitel ist das der Frauen. Oft werden junge Frauen mit Aussichten auf einen Arbeitsplatz innerhalb der EU angeworben. Auf Gedeih und Verderb ihren Ausbeutern ausgeliefert – ihre Pässe werden eingezogen, sie selbst vielfach mit Drogen vollgepumpt - landen die Frauen schließlich im Rotlichtmilieu unserer Großstädte. 

Das Asylrecht der europäischen Staaten ermöglicht eine andere Form von Migration. Menschen, die in ihrer Heimat aus ethnischen, politischen oder religiösen Gründen verfolgt werden, haben das Recht auf ein Leben innerhalb der EU. Asylanträge werden von staatlichen Stellen überprüft, was sicher sinnvoll ist. Aber bis es zu einer Entscheidung kommt, werden die Asylbewerber, zumindest in der Bundesrepublik Deutschland, in Asylantenheimen untergebracht. Die Lebensbedingungen dort sind meist eine Zumutung und oft genug menschenunwürdig. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur müssen, ob sie wollen oder nicht, auf engstem Raum zusammenleben. Die lange Ungewissheit, ob sie bleiben dürfen oder wieder in ihr Herkunftsland zurück müssen, abgeschoben werden, zermürbt die Gemüter, zumal die Asylsuchenden in dieser Zeit keiner sinnvollen Tätigkeit nachgehen dürfen und zum Nichtstun verdammt sind. Konflikte sind vorprogrammiert und möglicherweise auch gewollt. 

Zu all dieser Not kommt die reale Bedrohung durch fanatische Neonazis, die vorgeben, für eine „gerechte Sache“ zu stehen, aber nicht in der Lage sind, Menschenrechte zu respektieren. Durch Brandanschläge verwüsten sie Asylantenunterkünfte, durch Bombenanschläge verwüsten sie das Eigentum von Mitbürgern anderer Nationalitäten, hetzen „die Ausländer“ durch die Straßen, machen regelrecht Jagd auf sie und töten sie.

Eine weitere Gruppe bilden diejenigen, die vor Hunger- und Dürrekatastrophen, Zerstörung und Krieg in ihren Heimatländern fliehen. Dabei sind die Nachbarländer oft selbst überfordert, die notwendige Hilfe zu leisten und mit Recht ist da die internationale Gemeinschaft eingefordert.
Mit jeder Person steht ein Mensch mit seiner persönlichen Lebensgeschichte, mit Freud und Leid vor uns. Was sie wollen? LEBEN WOLLEN SIE! 

In unserer industriellen Gesellschaft mit dem Focus auf Gewinnmaximierung haben wir oft das Gespür dafür verloren, was es heißt, Gastfreundschaft zu gewähren und zu leben.


Der hl. Paulus schreibt an die christliche Gemeinde von Rom: „Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft!“ (Röm 12,13). Auch wenn er mit den Heiligen die Glaubensschwestern und –brüder meint, so konnten diese aus dem gesamten römischen Reich stammen. Wir machen sicher nichts falsch, wenn wir diese Aufforderung des Paulus großzügiger interpretieren, denn der Autor des Hebräerbriefes ruft die Adressaten mit folgenden Worten auf: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“; und erinnert sie daran: „denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebr 13,2) und denkt an die Gäste Abrahams bei den Eichen vom Mamre (Gen 18,1-33). – 

Wenn wir vielleicht nicht direkt betroffen sind und keine Gastfreundschaft zu gewähren brauchen, so macht es doch einen Unterschied, wie ich zu den Migranten stehe, ob und wie ich bereit bin, ihre soziale Not zu sehen; ihre Verantwortung gegenüber den Menschen, die sie lieben – und dies alles dann im Gebet dem Vater der Menschheit anzuempfehlen.

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