Die Anregung

Eine Hilfe für die Gestaltung von Predigt und Gottesdiensten

Liebe Leserinnen und Leser

man merkt es wieder deutlich: Die Nächte sind länger als die Tage und wir gehen mehr und mehr der dunkelsten Zeit der nördlichen Hemisphäre entgegen. Obwohl es in unseren Breiten noch gut erträglich ist. Weiter nördlich, wo die Sonne es nur „mit Mühe“ über den Horizont schafft, wird die menschliche Psyche doch anders gefordert. Da passen vielleicht auch die Gedanken von P. Walter Rupp aus seinem Buch: „Mails aus dem Jenseits“.

Mit den besten Wünschen
Karl Jansen SVD

Der lange Abschied

Glaubt ja nicht, „das Leben sei sozusagen ein erster Entwurf, zudem das zweite die Reinschrift bilden wird.“ Man kann das Leben nicht noch einmal beginnen!

Liebe Hinterbliebene!

Entschuldigt, dass ich mich nicht gleich nach meinem Ableben bei Euch gemeldet habe. Wahrscheinlich hattet Ihr Euch schon Sorgen gemacht, ob ich im Jenseits überhaupt angekommen bin. Ich war einfach nach all dem, was nach dem operativen Eingriff geschehen war, wie gelähmt. Ich war in einem mir bisher unbekannten Zustand: noch nicht tot und auch nicht mehr lebendig.

Die Ärzte meinen ja, man könne keine Träume und Empfindungen mehr haben, wenn die Beatmungsgeräte abgeschaltet werden. Noch lange nachdem ich auf dem Operationstisch gelegen hatte, gingen mir die Worte der Operateure durch den Kopf: „Das Beste wäre gewesen, wir hätten gar nicht reingeschaut. Aber man soll uns nicht nachsagen, wir hätten nicht das Menschenmögliche getan.“ Ich hörte immer nur die Sätze: „Man soll uns Ärzten nicht vorwerfen, wir hätten versagt, wenn die Natur versagt.“ „Nähen wir wieder zu, dass er wenigstens drüben nicht entstellt herumlaufen muss.“ Ein Arzt fügte die lakonische Bemerkung hinzu: „Manchmal müssen wir eben Operationen durchführen, auch wenn ein Patient nicht zu retten ist, weil es nicht nur um Menschen geht, sondern auch um die Medizin. Auch sie will Fortschritte machen.“ - lch wundere mich noch immer, was man so alles in einer Narkose mitbekommt.

Eine Operation war für mich, wie für so viele andere, die jetzt hier sind, das letzte große Ereignis des Lebens. Obwohl ich leblos dalag, nahm ich doch wahr, dass man mich danach in eine hässliche Abstell-Kammer schob, die für ,Moribundi‘, für Jenseits-Kandidaten vorgesehen war. Von dem hellen Licht, von dem die schwärmen, die Nahtod-Erfahrungen machen konnten, bemerkte ich in dieser Zeit nichts, im Gegenteil, es war überall finster. Es war auch ausgeschlossen zu erkennen, ob ich noch hier war oder schon drüben bin. lch war zwar tot, aber gestorben war ich trotzdem noch nicht. Das sollte man auseinanderhalten, das sind zwei sehr verschiedene Zustände. Leider sind die meisten längst tot, bevor sie gestorben sind.

Solange ich sterile weiße Wände sah, war mir klar, dass ich mich in einem Krankenhaus befinde. Aber als mich ein merkwürdiger, apathischer Gemütszustand überfiel, dieses Gefühl des Entspannt¬Seins, wie ich es einmal bei einem Zen-Kurs erlebte, musste ich mich an eine Religionsstunde erinnern, wo uns die himmlische Seligkeit als ein gleichbleibendes Gefühl des Wohlbehagens, das niemals aufhört, beschrieben wurde. Da ging mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf: das wird doch nicht die himmlische Seligkeit sein?

Aber es ist nun einmal so: „Wir wurden ins Dasein geworfen wie Würfel aus einem Becher“ (Wilder) und dürfen den Tag unserer Geburt und den unseres Todes nicht bestimmen.

Ihr hört bald wieder von mir.

In: Walter Rupp SJ, Mails aus dem Jenseits, Vindobona Verlag 2012, 9f

Walter Rupp SJ






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Pater Karl Jansen SVD
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