2. Sonntag der Osterzeit (A)

Predigtimpuls

Ich habe den HERRN gesehen

1. Lesung: Apg 2, 42-47
2. Lesung: 1 Petr 1, 3-9
Evangelium: Joh 20, 19-31

Das offizielle Evangelium heute beginnt einen Satz zu spät. Es lässt den Vers vorher weg: Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den HERRN gesehen. Und sie berichtete, Was er ihr gesagt hatte (Jo 20,18). Es lässt damit den eigentlichen Anstoss zum Glauben an Jesu Auferstehung weg. Es war doch Maria von Magdala, die als erste erzählte, sie hätte den Auferstanden Jesus gesehen und hätte mit ihm geredet.

Ein zweites, was an der Einheitsübersetzung stört, ist eine ungeheure Verallgemeinerung, wenn es da heisst: aus Furcht vor den Juden (Jo 20,19). Selbst, wenn es im griechischen Text so steht, müsste eine zeitgemässe Übersetzung eine solche Verallgemeinerung heute neu formulieren. Es war eine Gruppe: wohl Sadduzäer, Pharisäer und Schriftgelehrte, die in den Anhängern Jesu eine Sekte sahen. Es war der Zeitgeist, der bis ins Mittelalter lebte: Sogenannte Irrlehrer wurden ausgeschlossen und gar verfolgt.

Mit seinem zweimaligen Gruss: Der Friede sei mit euch (Verse 19 und 21) und der anschliessenden Aussendung gibt Jesus der werdenden Kirche klar vor, was ihr Auftrag in der Welt ist.
Und Thomas hat das alles verpasst. Er glaubt den anderen nicht, so erzählt das Evangelium. Er will selbst den Auferstandenen erfahren, ihm gegenüberstehen. Viele Menschen sind wie Thomas – vielleicht sind wir auch dabei - es gibt ja viele Charaktere wie Thomas, die nicht alles glauben, was man ihnen erzählt. Sie nehmen wohl das Sprichwort ernst: Vom Hörensagen lernt man lügen.

Glaubenszweifel wurden uns noch verboten, gar als Sünde ausgegeben: Was die Kirche sagt und lehrt, das gilt jetzt und für immer. Auch diese Art von Menschen gibt es, die nicht gerne von Zweifeln geplagt werden, aufgetischt bekommen wollen, was sie zu glauben und zu denken haben.
Diktatoren und monarchische Regierungen denken so: Ein Beispiel dafür ist die monopolisierte Information und Meinungsbildung in Russland. Was im Kremel gesagt wird, das ist richtig, gültig und verbindlich. Und dies selbst dann, wenn ein Angriffskrieg geführt wird. Andersdenkende werde verfolgt gar eingesperrt.

Fundamentalistische Kreise auch bei uns wollen nicht selber denken und verantworten. Einen Satz aus der Bibel herausreissen und ihn schlagwortartig gebrauchen. Das mag im Leben momentan helfen,
alles vereinfachen, ist aber gar nicht nach Thomas.
Die Bibel wie ein reales Geschichtsbuch lesen, ist das eine und einfache. Sie aber als ein Buch der Weisheit lesen, das uns anhand von Beispielerzählungen zum Nachdenken bringen will, ist das andere. Es ist anstrengender und anregender und entspricht der Haltung des Thomas.

Walter Strassmann SVD

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