Predigtimpuls
Auf ihn sollt ihr hören
1. Lesung – Offb 11,19a; 12, 1-6a, 10ab;
2. Lesung – 1 Kor 15, 20-27a
Evangelium – LK1, 39-52

„Wo wohnt Gott? Gott wohnt dort, wo man ihn einlässt“, diese Worte eines Rabbiners fallen mir ein, wenn ich an den heutigen Evangeliums - Text denke.
Zwei Frauen aus verschiedenen Generationen haben, im wahrsten Sinne des Wortes, Gott bei sich eingelassen.
Der heutige Evangeliums-Text ist eine Wegetappe von Maria, der uns bereits erahnen lässt, warum wir heute den Feiertag „Maria Aufnahme in den Himmel“ begehen.
Was wir heute so selbstverständlich lesen, hat mit Mut zu tun.
Maria, eine sehr junge Frau, macht sich allein und zu Fuß auf den Weg zu ihrer Cousine Elisabeth.
Für sie als junge Frau, ist es zu ihrer Zeit nicht ungefährlich, als Frau allein unterwegs zu sein.
Dazu kommt, dass Maria im 6. Monat schwanger ist, was den Weg sicherlich noch beschwerlicher macht. Aber, Maria ist erfüllt von einer Botschaft, die sie das alles überwinden lässt.
Dieses Kind, dass sie in sich trägt, ist die Erfüllung einer Verheißung Gottes, zu der sie „JA“ gesagt hat.
Sie trägt das Kind/den Sohn Gottes unter ihrem Herzen.
Bevor es dazu kommen konnte, hat sie sich auch schon einer Gefahr gestellt.
Ihre Schwangerschaft als unverheiratete Frau, noch dazu nicht vom zukünftigen Ehemann, hätte ihren Tod bedeuten können.
Damit es nicht geschieht, musste Gott aber erst Joseph durch einen Engel im Traum überzeugen, die schwangere Maria als seine Frau anzunehmen.
Was mag all das für eine so junge Frau bedeuten, wie verarbeitet sie das Geschehen?
In so einer Situation tut es gut, mit jemanden zu sprechen, der diese Situation nachempfinden kann.
Für Maria ist es ihre ältere Cousine Elisabeth.
Auch an Elisabeth hat Gott gehandelt. Elisabeth ist, über ihren unerfüllten Kinderwunsch, inzwischen alt geworden, als Gott ihr sagt, dass sie ein Kind gebären wird.
Ein besonderes Kind.
Ihr Sohn Johannes, wird später der Wegbereiter für Jesus sein.
Jesus, das Kind/der Sohn Gottes, das Maria unter ihrem Herzen trägt.
Aber auch Elisabeth musste sich Vorurteilen stellen und der Skepsis ihres Mannes Zacharias, der sogar Priester war.
Auch er musste erst, wie Joseph, von Gott überzeugt werden, dass Gott es ist, der an Elisabeth handelt.
Kein Wunder, dass diese zwei Frauen die Nähe zueinander suchen.
Wenn ich an die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth denke, habe ich immer eine Ikone aus Taizé vor Augen, die seit Jahren mein Herz berührt.
Elisabeth steht vor ihrem Haus und breitet weit die Arme aus, um Maria willkommen zu heißen.
In ihrem Leib sieht man das ungeborene Kind Johannes.
Johannes kniet im Mutterleib und streckt Jesus seine Arme entgegen.
Maria streckt ihre Arme aus, um Elisabeth zu umarmen.
In ihrem Leib sieht man das ungeborene Kind Jesus.
Jesus steht im Mutterleib und streckt seine Arme nach Johannes aus.
Was für eine Darstellung auf dieser Ikone. Beim Betrachten hört man im Herzen das gesungene Magnificat.
Zwei starke Frauen, von Gott gesegnet.
Zwei ungeborene Kinder mit einer göttlichen Verheißung und doch unterscheiden sich die Mütter und die Kinder.
Der Heilige Geist öffnet Elisabeth das Herz für das, was über die menschliche Begrüßung der Frauen hinausgeht.
Elisabeth spürt die Bewegung ihres ungeborenen Kindes, als Maria sie begrüßt.
Elisabeth spricht aus, was der Heilige Geist ihr ins Herz gegeben hat.
„Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes“, so begrüßt sie Maria und sie erzählt Maria von den hüpfenden Bewegungen ihres ungeborenen Kindes.
Gleichzeitig nimmt sich Elisabeth zurück mit der Aussage“ Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“
Elisabeth bekennt, beispielhaft für uns, welche Bedeutung Maria und ihr Kind für die Welt haben.
Maria stimmt daraufhin ihr Magnificat an.
Man spürt, Maria ist erfüllt von Gottes Präsenz und voller Glück über das Kind unter ihrem Herzen.
Sie ist in diesem Moment, ganz irdisch, eine werdende Mutter und dennoch spricht diese junge Frau prophetische Worte vor ihrer älteren, lebenserfahrenen Cousine aus.
Worte die allen Menschen gelten.
So werden wir Maria immer wieder in den Evangelien erleben.
Maria ist der Mensch/die Frau, die durch ihr Leben und als Mutter, durch ihre Worte immer wieder auf ihr Kind/ auf Jesus verweist und auf die Verheißung Gottes.
Die Verheißung Gottes, die seit Abraham allen Menschen gilt.
Dabei werden wir Maria immer wieder, ganz nah und menschlich, als Mutter wahrnehmen,
Als Mutter, die ihrem Sohn, über seinen Tod hinaus, immer zur Seite stehen wird und später auch den Jüngern.
Dafür verdient sie unseren größten Respekt.
Ihre Kraft dazu bekommt sie aus Gottes Verheißung und sie zeigt uns durch ihr Leben, dass Gott auch uns die Kraft gibt, mit ihm durch alle Höhen und Tiefen des Lebens zu gehen.
Damit wir es besser verstehen, hat uns Gott, durch Maria, seinen Sohn Jesus geschenkt und Maria sagt uns immer wieder: „Auf ihn sollt ihr hören“.
Mit dem Besuch bei Elisabeth zeigt uns Maria auch, wie wichtig deren Bedeutung ist.
Denn Elisabeth schenkt einem Kind das Leben, dass Jesus den Weg bereiten wird.
Elisabeth verweist auf Maria und Johannes verweist auf Jesus.
Auf der Ikone kniet der ungeborene Johannes vor Jesus – der ungeborene Jesus steht und streckt Johannes die Arme entgegen.
Später wird sich Jesus vor Johannes neigen/sich hinknien, um sich von ihm im Jordan taufen zu lassen, bevor Jesus mit Gottes Botschaft zu den Menschen geht und Johannes die Menschen auffordert, fortan Jesus nachzufolgen.
Wir begehen heute das Fest „Maria Aufnahme in den Himmel“ – Maria wird zu ihrem Sohn und zu Gott in den Himmel aufgenommen.
Maria wird, unter anderem, als Himmelskönigin bezeichnet, aber – sie ist nicht unerreichbar für uns entfernt.
Maria, ist uns auch als Mensch nahe.
Sie hat Mutterliebe mit allen Konsequenzen gelebt.
Sie musste als junge Frau, in einer schwierigen Zeit, schwierige Situationen bestehen und hat es aus ihrem Gottvertrauen geschafft.
Sie musste Loslassen lernen und konnte doch es doch im Herzen bewahren.
Mit dem Besuch bei Elisabeth und ihrem ungeborenen Kind Johannes zeigt sie uns, Gott hat mit jedem Menschen einen Plan und jeder Mensch ist für Gott für wichtig.
Aber, sie macht im Magnificat auch deutlich, dass Gott sich für die Unterdrückten und Schwachen einsetzt und was es für uns bedeutet, wenn wir nach seiner Botschaft leben wollen.
Jesus, sein Sohn, wird es den Menschen später durch sein Leben und seine Worte verdeutlichen und sein Handeln und seine Worte gelten auch uns.
„Was er euch sagt, das tut“, lassen wir diese Worte Mariens in uns nachwirken und uns durch ihr Leben aus dem Glauben, immer wieder ermutigen. Amen.
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