Predigtimpuls
Mit „Mariä Empfängnis““ hat Gott selbst die Voraussetzungen für „Mariä Verkündigung“ geschaffen.
1. Lesung: Gen 3,9-15.20
Antwortpsalm: Ps 98,1-4
2. Lesung: Eph 1,3-6.11-12
Evangelium: Lk 1,26-38
„Er ist schuld!“ Oder: „Sie hat angefangen!“ Gerne werden solche Redewendungen verwendet. Und sie begegnen uns heute in der Lesung: „Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen.“ So rechtfertigt sich Adam, der Mensch, Gott gegenüber. In seinen Worten steckt sogar eine zweifache Schuldzuweisung. „Sie hat mir vom Baum gegeben, sie ist schuld.“ Und: „Du hast mir diese Frau gegeben. Du bist schuld, Gott!“ Eigentlich eine ungeheuerliche, respektlose Antwort.
Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht wie mir. Ich muss gestehen: Ich erkenne mich in dieser Antwort wieder. Allzu gern suche auch ich die Schuld bei anderen. Ja, vielleicht sogar bei Gott. Hätte er das nicht verhindern können? Warum lässt er so viel Leid zu?
Wie in einem Spiegel erkennen wir Menschen uns in diesem biblischen Text mit unserer Suche nach Entschuldigungen, nach Sündenböcken, nach Ausflüchten vor der eigenen Verantwortung. Wie Adam laufen wir davon, statt zu unserer Schuld zu stehen, umzukehren und Verantwortung für unser Leben und für die gerechte und menschenwürdige Gestaltung der Welt zu übernehmen.
Wie wohltuend anders ist da Maria, die uns im bekannten Evangelientext nach Lukas begegnet. Nicht von Mariä Empfängnis handelt dieser Text, sondern von Mariä Verkündigung. Der Engel bringt ihr die Kunde, dass sie die Mutter des Heilands werden soll. Sie lässt sich nicht blenden von schönen Worten wie „Begnadete“ oder „der Herr ist mit dir“. Beeindruckend nüchtern denkt sie nach über die Worte des Engels und stellt ihre Fragen: „Wie soll das geschehen?“ Sie stellt sich der Herausforderung und übernimmt Verantwortung. Sie spricht ihr Ja: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe wie du es gesagt hast!“
Mit „Mariä Empfängnis““ hat Gott selbst die Voraussetzungen für „Mariä Verkündigung“ geschaffen. Das Dogma von der „Unbefleckten Empfängnis“ besagt, dass Gott Maria vom ersten Augenblick ihrer Existenz an vor jeder Schuld bewahrt hat. Indem Maria ganz „voll der Gnade“ war, hat Gott die Möglichkeit dafür geschaffen, dass Maria aus ganzem Herzen ihr Ja sagt. Dass sie vertraut auf die Verheißung Gottes und sich einlässt auf das Wagnis, die Mutter des Erlösers zu werden.
Zwei Dinge finde ich hier so überwältigend, so tröstlich. Erstens: Anscheinend überfordert Gott nicht. Er schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir das auch annehmen und ausführen können, was er uns zumutet. Das zu glauben und darauf zu vertrauen kann mir helfen, mit meinem Leben zu Rande zu kommen.
Und zweitens: Durch die Taufe sind wir ja alle auch befreit von der sogenannten „Erbsünde“. Wir sind Begnadete, Gott ist mit uns. In diesem Wissen und in dieser Kraft sollten auch wir wie Maria fähig sein, unser Ja zu sagen zu dem, was Gott uns zumutet, beziehungsweise zu dem, was das Leben von uns verlangt. Wir könnten mutiger einstehen für Frieden und Gerechtigkeit, für Menschlichkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Gott hat uns „mit allem Segen seines Geistes gesegnet“, wie es in der zweiten Lesung aus dem Epheserbrief geheißen hat. „Heilig und untadelig“ zu leben als „Kinder Gottes“, das ist unsere Bestimmung.
Und wenn wir versagen, wenn wir schuldig werden an uns selbst oder anderen, an Gott und seiner Schöpfung, dann ist das nicht das Ende. Wir müssen nicht davonlaufen und uns verstecken, oder Ausflüchte suchen und Entschuldigungen, oder gar Sündenböcke. Denn Gott ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld. Er eröffnet Wege der Umkehr, der Veränderung und der Erneuerung. Gott hilft und vollbringt wunderbare Taten. Das feiern wir dankbar am heutigen Hochfest der Erwählung Marias.
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