5. Sonntag im Jahreskreis (A)

Predigtimpuls

„Wir sind keine Heiligen“

1. Lesung: Jes 49,14-15
2. Lesung: 1Kor 4,1-5
Evangelium: Mt 6,24-34

Leuchte du Licht!
Jesus Christus ruft uns im Evangelium auf, unser Licht leuchten zu lassen und uns nicht zu verstecken. Unser Licht, das ist unser Glaube, unsere Hoffnung und unsere Liebe. Das sind die kostbarsten Dinge unserer Religion. Aber schätzen wir dies auch genug?
Mich beeindrucken immer wieder Muslime, wie sie ihren Glauben auch in der Öffentlich-keit bekennen. Mag sein, dass es teilweise um Selbstbestätigung, in seltenen Fällen sogar um Fanatismus geht, man kann ihnen aber nicht absprechen, dass sie sich für ihren Glauben einsetzen und dass sie stolz darauf sind, Mus¬lime zu sein. Es ist gut möglich, dass sie einen Muslim auf einem Autobahnparkplatz sehen, wie er Rast macht in¬mitten seiner Fahrt. Er rollt in aller Ruhe seinen Teppich Richtung Mekka aus und fängt an sich gegen Mekka zu verneigen und zu beten, als ob es keinen Lärm und keine Autos um ihn herum gäbe.
Unsere Gesellschaft braucht heute noch viel mehr als früher Menschen, die zum Glauben stehen! Die fast einzige Gelegenheit, den Glauben heute noch unter die Menschen zu bringen, ist das Zeugnis des Glaubens im täglichen Leben. Es geht nicht um ein trotziges oder fanatisches Be¬zeugen des Glaubens. Es geht auch nicht da¬rum, anderen mit dem eigenen Glauben auf die Nerven zu gehen.
Es geht einfach darum, den Glau¬ben auch vor anderen aufrichtig zu leben. Menschen, die sich als Christen bekennen, wer¬den von anderen kritisch betrachtet. Man fragt sich ob ihr Leben auch wirklich dem Glauben ent¬spricht. Das zeigt sich dann in banalen Situa¬tionen.
Wenn ich z.B. an der Kasse in der Schlan¬ge stehe, geht es mir dann nur darum mög¬lichst schnell durchzu¬kommen? Oder schaue ich auf die Leute vor und hinter mir und auf die Kassiererin? Betrachte ich sie als Geschöp¬fe, die Gott von Herzen liebt? Und meine Kollegen, Freunde und die Menschen, mit denen ich zu tun habe, sind es für mich Menschen, die Gott von Herzen liebt?
Keine falsche Scham!
Es gibt viele Ge¬legenheiten, bei denen man seinen Glauben unauf¬dringlich bezeugen kann. Ist es nicht so, dass man fürchtet, für altmodisch oder rückständig gehalten zu werden? Und wegen der vielen Skandale in der Kirche ist es möglich, dass andere fragen, wie man diesen „Verein“ noch unterstützen kann. Vielleicht kann man sich für die Kirche manchmal wirklich schämen. Aber nicht für die Botschaft Jesu. Schämen sich die Christen für ihren Glau¬ben? Dabei sind die großen Schätze des Christen¬tums unübersehbar. Christen, die ihren Glauben le¬ben, berichten von einem erfüllten Leben. Sie kön¬nen getragen und gelassen durchs Leben gehen. In unserer Religion wird die Liebe zu Gott und zum Nächsten groß geschrieben! - Das kann doch nur gut sein! Dass Gott für uns Mensch wurde, dass er für uns gelitten hat, gestorben und auferstanden ist. Wo gibt es das sonst? Gott wurde für mich ganz persönlich Mensch; ist für mich gestorben und auferstanden.
Niemand in meinem Leben hat je mehr für mich getan und das gilt für jeden! Können wir nicht stolz darauf sein? Jesus nimmt uns so an, wie wir sind. Er erwartet von uns nicht, perfekt zu sein.

Wir sind keine Heiligen, aber wir glauben an einen, der es unendlich gut mit uns und allen meint. Da gibt es nichts dran auszusetzen – Er ist das Licht der Welt.

P. Oliver Heck SVD

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