19. Sonntag im Jahreskreis (B)

Predigtimpuls

Wenn ein Mensch zur Nahrung für andere wird

1. Lesung: 1Kön 19,4-8;
2. Lesung: Eph 4,30 - 5,2
Evangelium: Joh 6,41-51

Nahrung für den Leib, Nahrung für unser geistliches Leben
Jesus formuliert in diesem Kapitel des Johannesevangeliums eine der berühmten Ich-bin-Aussagen. Er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (V. 35) Zuvor hatte er eine große Menschenmenge mit wenigen Broten genährt und gesättigt. Am Tag darauf machten sich die Menschen dann wieder auf die Suche nach ihm, denn sie waren fasziniert davon, wie er ihnen so mühelos die tägliche und notwendige Nahrung geben konnte. Sie fanden, den sollte man zum König machen, dann würde er immer für sie sorgen und sie hätten ein bequemes und sorgenfreies Leben.

Aber Jesus darf man nicht als Wunschautomaten für unser Wohlsein missverstehen. Wenn er die Menge gesättigt hat, dann war das ein Zeichen für eine andere Wirklichkeit, die er uns nahebringen will. Es geht nicht um das Materielle, es geht um das Geistige. So wie er im heutigen Evangelium mehrfach betont, dass er vom Vater kommt, vom Himmel. Im Unterschied zur irdischen Speise wie der des Manna, das die Israeliten in der Wüste gegessen haben, um dann doch irgendwann sterben zu müssen. Es geht Jesus um eine Speise, die Nahrung ist aus einer anderen Welt, in der es keine Vergänglichkeit und keine Gespaltenheit mehr gibt.

Seine Zuhörer tun sich schwer, solch eine Rede von ihrem Mitbürger anzunehmen. Sie ordnen ihn ganz in ihre gewohnten Kategorien ein: Sohn dieser Familie, die wir kennen, sie leben da am Fuß des Hügels, wo die Felder beginnen, sein Vater ist Bauhandwerker, er ging mit einigen von uns zur Schule usw. Was will der uns für Geschichten vom Himmel erzählen? Und genau da beginnt Jesu Botschaft: Jeder Mensch ist ein irdisches, zugleich aber auch ein göttliches Wesen. Er stammt von der Erde und auch vom Himmel. Damit er zur Fülle findet, müssen beide Dimensionen in ihm zur Geltung kommen dürfen. Um aber in Verbindung mit Gott zu kommen, brauchst du nicht in den Tempel zu gehen und den Priester zu befragen, in dir selbst wohnt das Göttliche, du musst nur vordringen zu deiner inneren Quelle. Den Weg dazu, den zeige ich dir.
Um seine Zuhörer vollends zu verwirren, sagt Jesus am Ende: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“ Das ist in sich ja doch ein ziemlicher Widerspruch: Brot ist doch nicht Fleisch! Ja, das Johannes-Evangelium liebt es, mit den Grenzen unseres Alltagsverstandes zu spielen und uns durch widersprüchliche Aussagen zu locken, damit wir uns darüber hinausbewegen und in größere Weite und Tiefe führen lassen.

Machen wir Gott nicht zum Tortenlieferanten
Gott will nicht einfach nur Brotgeber und Tortenlieferant sein, damit unser Leben mit ihm bequemer und angenehmer wird. Jesus erfüllt den kindlichen Versorgungswunsch der Menschen nicht, sondern er fordert sie heraus, indem er sagt: “Ich bin nicht der, der euch immer wieder etwas hinwirft, damit ihr was zu knabbern habt. Ich bin selbst das Essen und die Nahrung, die ihr braucht.” Mmh, das macht die Sache irgendwie komplizierter. Wir hätten sonst unser Esspaket abgeholt, uns bis zum nächsten Hunger zurückgezogen und wären zufrieden gewesen. Aber wenn Jesus selbst die Mahlzeit ist, dann kommen wir irgendwie nicht daran vorbei, uns auf eine persönliche Begegnung mit Jesus einzulassen.

Ein Mensch, der nicht nur für jeden ein gutes Wort hat, Heilung für die Kranken und Trost für die Trauernden, Frieden für die Zerrissenen und Aufrichtung für die Niedergebeugten. Er selbst ist dieses gute Wort, ist die Heilung, der Trost, der Friede und die Aufrichtung. Und wenn er uns auffordert, ihn, der das Brot vom Himmel ist, zu essen, was mag das bedeuten? Essen ist doch der Vorgang des Verinnerlichens und Verleiblichens dessen, was mir geschenkt wird als Nahrung, zur Stärkung. Das alles müssen wir vom äußeren Bild auf die innere Wirklichkeit übertragen: Wir sollen Jesu Leben so meditieren und verkosten, uns seine Weise des Handelns und der Aufrichtigkeit so vor Augen halten, dass es Teil von uns selber wird, dass wir es verleiblichen.

Das ist schon ein bisschen anspruchsvoller, als sich sein Esspaket abzuholen. Es fordert von mir den Einsatz meines Lebens und meiner Energie. Ja, so gesehen werde ich, wenn ich Jesus auf diese Weise verinnerliche, selber zum Brot für andere Menschen.

Ein beliebter und viel zitierter Satz in Foren für gesunde Ernährung heißt: „Der Mensch ist, was er isst.“ Das würde ja hier auch gelten: Wir werden gesund leben, wenn wir Jesus essen, also sein Leben in uns hineinnehmen und uns davon nähren lassen. Wie Jesus sagt, ist das aber nicht bloß gesund, sondern es wird uns unsterblich machen, weil wir dann ihn verleiblichen, weil wir Brot des Himmels für die Menschen unserer Zeit werden. Weil dann schon himmlisches und unvergängliches Leben in uns lebt und wirkt. Es gibt auch den Ausspruch: „Von dem kann ich mir aber eine Scheibe abschneiden.“ Ja, von Jesus können wir uns mehr als nur eine Scheibe abschneiden, wird dürfen ihn uns ganz zu eigen machen und leben, wie er gelebt hat.

Das Zeugnis einer an Krebs erkrankten Frau
Wie soll das aber nun gehen, dass wir Brot und Nahrung für unsere Mitmenschen werden? Es sind manchmal kleine Taten der Liebe, eine helfende Hand zur rechten Zeit, dass ich für eine Person da bin, die mich braucht, eine Geste der Mitmenschlichkeit, ein Wort, das neuen Sinn eröffnet, ein Protest gegen Ungerechtigkeit. Ich möchte hier von einer jungen Frau erzählen, die an Krebs erkrankt ist. Die Ärzte geben ihr nur noch eine Überlebenschance von 2 %. Sie hat sich gesagt: 2 %, das ist mehr als nichts, es ist eine Chance. Und sie hat sich als Sängerin zum Auswahlwettbewerb angemeldet, das war schon immer ihr Traum.

Von den Juroren auf ihre gesundheitliche Situation angesprochen, erzählt sie, dass sie drei Tumore in ihrem Körper hat. Aber sie scheint deshalb nicht niedergeschlagen, sie lächelt und sagt: „Es ist wichtig, dass jeder weiß, ich bin so viel mehr, als die schlimmen Dinge, die mir geschehen.“ Obwohl durch die Chemo geschwächt, nimmt sie all ihre Kraft zusammen und singt ihr selbst geschriebenes Lied vor. Darin beschreibt sie ihr letztes Jahr: „Es ist in Ordnung. Es ist in Ordnung, manchmal verloren zu sein.“

Das Publikum und die Juroren zeigen sich tief beeindruckt von der Fröhlichkeit und der tollen Ausstrahlung der Frau, die doch eigentlich schwer krank ist. Die Jury hebt ihre tolle Stimme hervor und ist begeistert davon, welche Ehrlichkeit aus ihr und ihrem Lied spricht. Darauf sagt die Frau diesen denkwürdigen Satz: „Du kannst nicht so lange warten, bis das Leben nicht mehr schwierig ist, bevor du dich entscheidest, glücklich zu sein.“ Und es ist plötzlich eine Stille in dem großen Saal, weil alle spüren, das ist ein Satz mit einer Botschaft. Da wird ein Leben zur Nahrung für viele Menschen.

Natürlich sind das selten erlebte Höhepunkte. Aber wir Menschen sind viel öfter Brot füreinander. Wir brauchen einander sehr viel mehr, als wir manchmal denken, das hat uns die Pandemie doch deutlich gezeigt. Also haben wir den Mut, den, der uns sein ganzes Leben als Nahrung schenkt, tief in uns aufzunehmen, damit auch wir immer mehr Brot und Nahrung werden können für unsere Mitmenschen.

P. Thomas Heck SVD

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