Deutschland
10. Jul 2026
„The Confreres Should Behave Nobly Towards Members of a Foreign Nation…” – das Zitat ermahnt die Steyler Missionare zum anständigen Verhalten gegenüber Menschen anderer Nationen. Das erforderte in der Praxis Sprachkenntnisse, kulturelles Wissen und Feingefühl.

Deshalb hat sich die 1875 von Arnold Janssen gegründete „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ (SVD) von jeher der Erforschung anderer, insbesondere außereuropäischer Kulturen gewidmet. Aus dieser Tradition gingen die ethnologische Zeitschrift Anthropos (1906 im Missionshaus St. Gabriel, Mödling bei Wien) und die sinologische Zeitschrift Monumenta Serica (1935 an der Katholischen Fu Jen-Universität in Peking) hervor, die auch heute noch erscheinen.
Zum 150-jährigen Ordensjubiläum haben Pater Darius Piwowarczyk, Chefredakteur von Anthropos, und Pater Zbigniew Wesolowski, Chefredakteur im sinologischen Institut Monumenta Serica, eine Auswahl von Artikeln zusammengetragen, die in beiden Zeitschriften erschienen sind. Das Augenmerk der Herausgeber lag dabei auf Beiträgen, die auch für das heutige Ziel der Steyler Missionare stehen: das Streben nach interkulturellem und interreligiösem Dialog in einer globalisierten Welt. Dieses intellektuelle Apostolat der Steyler Missionare zeigt, dass wissenschaftliche Forschung und der Dialog auf Augenhöhe seit jeher feste Säulen der Steyler missionarischen Identität sind.
Einige der Artikel geben Einblicke in die Geschichte der Zeitschriften und der darin behandelten Disziplinen. So ist die „Einladung zu Mitarbeit und Abonnement“ der Zeitschrift Anthropos aus dem Jahr 1905 enthalten. In ihr skizziert der Anthropos-Gründer Pater Wilhelm Schmidt SVD den Anspruch als „Zeitschrift für Völkerkunde und Sprachwissenschaft“, definiert Grundsätze für deren Mitarbeiter und gibt Anleitungen zu ethnografischen Beobachtungen.
Pater Zbigniew Wesolowskis beschreibt in seinem Beitrag zum doppelten Jubiläum 150 Jahre SVD und 90 Jahre Monumenta Serica im Jahr 2025 die wechselvolle Geschichte der sinologischen Zeitschrift und des Instituts von der Gründung 1935 in Peking über die Zeit in Japan und den USA bis zur Zeit in Sankt Augustin ab dem Jahr 1972.
Andere Beiträge beleuchten das Engagement katholischer Missionare in der anthropologischen und sprachwissenschaftlichen Forschung – etwa des französischen Priesters François-Marie Savina, der in Tonkin (Vietnam) lokale Kulturen und Sprachen erforschte.
Ob Beobachtungen über Polyandrie (Vielmännerei) in Tibet, der Jesus-Begriff der indigenen Shuar im Tiefland Amazoniens oder Einblicke in die Geschichte der chinesischen Medizin: Das vorliegende Buch bringt die Vielfalt der Forschung zu außereuropäischen Kulturen zum Ausdruck. Einige Artikel sind jüngeren Datums, andere ihrerseits bereits als Gegenstand wissenschaftshistorischer Forschung zu betrachten.
Text: Karima Bouzardaoui, Bilder: SVD
Selected Contributions from Anthropos and Monumenta Serica to the Study of Non-European Cultures
Der vorliegende Band enthält eine Auswahl von Artikeln, die in den letzten 100 Jahren in den Zeitschriften Anthropos und Monumenta Serica erschienen sind und die nach Ansicht der Herausgeber am repräsentativsten für eines der aktuellen organisatorischen Ziele der SVD stehen, nämlich den interkulturellen und interreligiösen Dialog in einer globalisierten Welt.
EAN: 9783756023745
Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch
Maße: 22,7 cm / 15,3 cm (B/H)
Reihe "Collectanea Instituti Anthropos", Band 57
Herausgegeber: Zbigniew Wesolowski, Darius J. Piwowarczyk
Verlag: Nomos Verlags GmbH
erschienen: Juni 2026
Umfang: 444 Seiten