Deutschland
12. Jan 2026
Der Vortrag der Akademie Völker und Kulturen am 9. Januar 2026 zum Thema Pilgern und Wallfahren stellte die Erfahrungen kleiner ökumenischer Gruppen zum alten schottischen Kloster Iona in den Vordergrund.

Dr. Stanisław Grodź SVD hat bereits oft zu Ostern an solchen Wallfahrten teilgenommen und beschrieb deren Geschichte, den Kontext und den Ablauf vor Ort. Die kleine Insel Iona liegt etwas westlich von Glasgow. Dort gründete der irische Mönch und Missionar Kolumban der Ältere im Jahr 563 ein Kloster, das sich zu einem wichtigen Zentrum geistlichen und christlichen Lebens in der keltischen Version entwickelte. Mit dem Kloster Iona verbindet sich auch das einzigartige „Book of Kells“ aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, ein lateinisch geschriebenes und keltisch reich verziertes Evangelienbuch, das dort entstand.
Das ursprüngliche Kloster Iona wurde von den Wikingern im 11. Jahrhundert zerstört, später als Benediktinerkloster wieder aufgebaut und im Zusammenhang der Reformation aufgegeben. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden Wallfahrten nach Iona, als Bewegung von engagierten Christen unterschiedlicher Konfessionen, mit einer Ausrichtung auf Gerechtigkeit und soziale Veränderung und mit einer Betonung der Eigeninitiative.


Die Wallfahrten, um die es in diesem Vortrag ging, finden jeweils in der Karwoche und zu Ostern statt. Es gibt keine unternehmerisch gestaltete externe Planung, sondern kleine Gruppen müssen sich weitgehend selbst organisieren und können höchstens auf minimale Betreuungseinrichtungen zählen. Es geht bei den Wallfahrten um Gebet, Liturgie, Gehen, Ökumene, letztliche eine religiöse Erfahrung in Vielfalt. Es ist ein Weg der Reflexion von etwa 200 Kilometern. Wichtig ist auf diesem Weg der Umgang mit einer sehr schönen, aber auch durchaus rauen Landschaft, schwierigen Wegstrecken und oft sehr herausfordernden Wetterbedingungen.
Dr. Grodź betonte, dass ihm bei diesen Wallfahrten die Erfahrung von ökumenischer Offenheit, das Gemeinschaftserlebnis, die Fürsorge der TeilnehmerInnen der Pilgergruppe untereinander und die kreative Gestaltung von Liturgie, Gebet und Reflexionen wichtig geworden sind. Bedeutsam ist die Erfahrung von Gastfreundschaft und Fremdheit – sie schließt an das ursprüngliche Pilgerideal der irischen Mönche an, die von Iona und anderen schottischen Klöstern aus in ganz Europa unterwegs waren und eine grundsätzlich friedliche Missionsbewegung darstellten.
Bei der Wallfahrt wird immer auch ein relativ großes Kreuz mitgetragen, das eigenartigerweise oft die Träger beflügelt und ihnen die Last leicht erscheinen lässt – für die Karwoche und Ostern eine wichtige Erfahrung. Stanisław Grodźs Überlegungen wurden von einigen Teilnehmerinnen ergänzt, die bereits solche Wallfahrten nach Iona mitgemacht hatten und von ähnlichen Erfahrungen berichteten, die ihnen für ihr eigenes Leben und Glauben wichtig sind.
Text: Christian Tauchner SVD, Bilder: Grodź/ Steyler PR

