Deutschland
11. Feb 2026
Bruder Othmar Jessberger ist seit 70 Jahren Steyler Missionar. Früher war er auf Flores in Indonesien tätig. Heute lebt er im Ruhestand in Sankt Wendel. Eines seiner Gemälde hat ihn wieder mit den Menschen auf Flores in Kontakt gebracht.

Bis vor einigen Monaten malte Bruder Othmar mit Hingabe. Aus gesundheitlichen Gründen muss er den Pinsel nun ruhen lassen. Zuvor hat er sein letztes Werk vollendet: Die Mütterlichkeit Gottes. Das Bild ging auf Social Media um die Welt und hat ihn wieder mit den Menschen auf der indonesischen Insel Flores zusammengeführt. Ihre Gesichter prägen fast alle seiner Gemälde.
Manche Gesichter seines letzten Bildes hat er nur noch mit dem Herzen gemalt, weil er nicht mehr gut sehen kann. Das Bild ist nun in einer der Hauskapellen des Missionshauses St. Wendel ausgestellt. Eine Meditation von Sandra Kuhn aus der Altenpastoral lädt zum Nachdenken und zum Gebet ein. Sie beginnt mit dem Bibelvers „Wie eine Mutter tröstet, so tröste ich euch“ (Jesaja 66, 13).
„Oben links im Bild sehen wir Maria und Johannes, die das Leid Jesu an seiner durchbohrten Hand beweinen. Am Kreuz spricht Jesus: ‚Sohn, siehe deine Mutter. Mutter, siehe deinen Sohn.‘ Hier offenbart sich Gottes mütterliche Liebe – zärtlich, warm, fürsorglich – durch Maria. Auch Jesus hat diese Liebe erfahren und sie an seine Apostel weitergegeben. Gott ist nicht nur Vater, sondern auch Mutter: barmherzig, geduldig, liebevoll“, erläutert Sandra Kuhn.
Bruder Othmar hatte noch während er an dem Bild arbeitete in einem Interview mit Steyler Aktuell gesagt: „Ich nehme wahr, dass wir das Emotionale, das Mütterliche in der Verkündigung vernachlässigt haben, dass Gott nicht nur Vater ist, sondern auch Mutter. Gott hat kein Geschlecht. Gott ist Geist. Und ich bin davon überzeugt, dass er auch mütterlich und väterlich zugleich sein kann.“

Die Fotos von Bruder Othmars Arbeit an seinem Bild, die wir in den Sozialen Medien veröffentlicht haben, blieben nicht unbemerkt. Zuerst meldete sich eine junge Frau über Facebook bei der Pressestelle der Deutschen Ordensprovinz. Ihre Familie vermisse Bruder Othmar schon seit Langem.
Petra Graf, Pflegerin im Wendelinusheim, hielt den Kontakt nach Flores aufrecht und organisierte für Bruder Othmar Video-Telefonate mit den Menschen, die ihn seit ihrer Kindheit ins Herz geschlossen und nie vergessen haben. Einer dieser Menschen ist Hans. Wir dürfen aus einer seiner Nachrichten zitieren:
„Bruder Othmar ist wie mein Großvater. Er ist eine starke, unerschütterliche Persönlichkeit mit großem Engagement. Er ist nicht nur ein Anführer, sondern auch ein professioneller Trainer, ein Helfer für die Armen und Ausgegrenzten und ein Vater für alle Kinder auf Flores. Er liebt und versorgt alle Kinder auf Flores gleich, ohne Unterschied. [...] Bruder Othmar hat uns immer geraten: ‚Werdet wie Jesus. Fürchtet euch nicht vor dem Tod – der Tod ist nicht das Ende. Wir alle werden wie Jesus auferstehen und eines Tages wiedervereinigt werden.‘“

Die Kontinente verbindenden Video-Telefonate beschreibt Petra Graf so: „Diese Momente zeigen einmal mehr, wie nachhaltig Bruder Othmars Einfachheit, sein Humor und seine Güte Menschen prägt – auch nach vielen Jahrzehnten. Dieses Jahr wird er 91 Jahre alt. Egal, wie es ihm geht, er verliert weder seinen Glauben noch seinen Humor. Die mütterliche Liebe, die er in seinen Bildern lebendig machte, lebt weiter in seiner Art, in seinem Gebet und in seiner Begegnung mit jedem Menschen.“
„Oft schläft er lange, und wenn man ihn weckt, sagt er lächelnd: ‚Ach Mädele, ich ging gerade durch mein Dorf in Flores.‘ Dann erzählt er von Begegnungen mit seinen Lieben, vom Fußballspielen am Strand oder davon, wie er für jeden Einzelnen im Stillen betet. Sein Heimweh, das er scherzhaft „Heim-Fernweh“ nennt, ist manchmal groß. Doch Klagen hört man von ihm nie. Stattdessen sagt er, wie dankbar er sei für die Jahrzehnte, die er in Flores erleben durfte.“
Texte und Bilder: Petra Graf, Sandra Kuhn,
Pater Václav Mucha SVD