Deutschland
08. Sep 2026
Zum Jahrestag der Gründung (8. September 1875) unserer Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Societas Verbi Divini, SVD), wie wir Steyler Missionare offiziell heißen, hat unser Generalsuperior, Pater Anselmo Ricardo Ribeiro SVD, eine Botschaft aufgezeichnet.
ein Jahr ist nun vergangen seit den großen Jubiläumsfeiern zur Gründung unserer Gesellschaft des Göttlichen Wortes. Während wir unseren 151. Jahrestag begehen, sind wir erneut eingeladen, mit Dankbarkeit auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Wir danken Gott für den empfangenen Segen sowie für seine beständige Führung und Treue gegenüber unserer Kongregation und ihrer Sendung. Zugleich sind wir eingeladen, die Gegenwart zu betrachten – mit festem Blick auf die Zukunft.
Unsere heutige Sendung führt uns in Gemeinschaft mit so vielen Menschen, die unter den Folgen von Kriegen, Naturkatastrophen und anderen Heimsuchungen leiden. Sie führt uns in Gemeinschaft mit jenen, die aufgrund von Armut, Verfolgung oder Bedrohungen ihrer Existenz ihre Heimat verlassen müssen. Und sie führt uns in Gemeinschaft mit denen, die in Kontexten leben, die von Polarisierung, Extremismus und Intoleranz geprägt sind. Wir sind zudem gerufen, jene willkommen zu heißen und solidarisch an ihrer Seite zu stehen, die sich verlassen, ausgeschlossen oder in ihrer Würde verletzt fühlen.
Die Wunden unserer Zeit nehmen nicht ab. Im Gegenteil: An vielen Orten scheinen sie immer tiefer zu werden. Angesichts dieser Wirklichkeit sind wir eingeladen, uns zu fragen: Welchen Platz haben wir als Missionare des Göttlichen Wortes? Welches Zeugnis sind wir berufen zu geben? Was will Gott in dieser Situation von uns?
Als religiöse Kongregation nehmen wir in der Kirche einen bedeutenden Platz ein. Wir gehören zu den größten Missionskongregationen hinsichtlich der Mitgliederzahl und sind in vielen Ländern und Kulturen präsent. Doch Zahlen allein garantieren nicht, dass unsere Gegenwart dem Volk Gottes und allen Menschen guten Willens dient. Wir müssen über Statistiken hinausgehen.
Unsere Präsenz muss zum Zeugnis von Gemeinschaft werden. Im Zentrum dieser Gemeinschaft steht unsere Beziehung zu Christus, dem Göttlichen Wort. Ihm haben wir unser Leben geweiht. Durch Ihn sind wir berufen und ausgesandt, an der Missio Dei teilzunehmen. Bevor wir über Gott sprechen, müssen wir bei ihm verweilen. Wir müssen auf sein Wort hören und zulassen, dass es unser Leben verwandelt.
Daher möchte ich uns alle anlässlich dieses 151. Jahrestags einladen, das Wort Gottes neu zu entdecken. Im Wort begegnen wir dem Herrn, der uns ruft, sammelt und sendet.
Im Wort lernen wir erneut, seine Stimme inmitten der vielen Stimmen unserer Zeit zu erkennen. In ihm finden wir Licht, um die Wege der Sendung zu unterscheiden, und Kraft, treu zu bleiben, wenn der Weg schwierig wird.
Vielleicht könnte unser Vorsatz für das kommende Jahr darin bestehen, über das tägliche Hören der Heiligen Schrift in der Liturgie hinauszugehen und uns persönliche, ungestresste Zeit zu nehmen, um das Wort Gottes zu kosten.
Bereits 30 heilige Minuten täglich würden es uns ermöglichen, ohne Hast vor dem Wort zu verweilen – 30 Minuten zum Hören, Nachdenken und Beisammensein mit dem Herrn; 30 Minuten in der Freiheit und im Vertrauen dessen, der sich hinsetzt, um mit einem Freund zu sprechen. Die Erneuerung, die wir in unserem persönlichen, gemeinschaftlichen und missionarischen Leben suchen, kann genau dort beginnen: erneut zu Füßen des Meisters zu sitzen und auf Ihn zu hören.
Arnold Janssen lebte in einer Zeit tiefgreifenden Wandels, der Unsicherheit und der Härten. Auch wir leben in einer Zeit tiefgreifenden Wandels und sehr oft der Unsicherheit. Wir wissen nicht genau, was die Zukunft bringt. Doch wir können darauf vertrauen, dass Gott weiterhin in der Geschichte wirkt.
Möglicherweise nehmen wir noch nicht wahr, was Gott tut. Deshalb ruft uns der gegenwärtige Augenblick zu aufmerksamem Hören, zu Unterscheidung und zu Vertrauen. Möge das Göttliche Wort, das unsere Menschheit angenommen und in die menschliche Geschichte eingetreten ist, in jedem von uns die Freude erneuern, sein Jünger und Missionar zu sein.
Möge der Herr unsere Gesellschaft, unsere Gemeinschaften, unsere Mitarbeiter, unsere Wohltäter und alle, die auf verschiedene Weise zur großen Arnoldus-Familie gehören, weiterhin segnen.
Danke, und Gott segne Euch alle.
Pater Anselmo Ribeiro SVD
Generalsuperior