Was heißt „Zeugnis ablegen für das Licht“ heute?

Deutschland

07. Sep 2025

Was bedeutet das Motto des Jubiläums 150 Jahre SVD für die Steyler Missionare und für jeden von uns heute? Dieser Frage ging Provinzial Pater Peter Claver Narh in seiner Predigt zum Abschluss des Jubiläumsjahres nach.

Provinzial Pater Peter Claver Narh: „Mögen wir einen ähnlichen Glauben wie den von Arnold Janssen haben, der uns ermutigt, Licht in die Welt zu tragen.“
Provinzial Pater Peter Claver Narh: „Mögen wir einen ähnlichen Glauben wie den von Arnold Janssen haben, der uns ermutigt, Licht in die Welt zu tragen.“

Liebe Schwestern und Brüder,

150 Jahre Steyler Missionare – das ist ein Grund zu großer Dankbarkeit und zugleich ein Ruf, neu auf unseren Auftrag zu hören. Das Jubiläum steht unter dem Motto: „Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle“. Unser Gründer, der heilige Arnold Janssen, hatte den Wunsch, die Frohe Botschaft Jesu in alle Welt zu tragen – ohne Grenzen, ohne Ausnahmen.

Unsere Geschichte

Getrieben von diesem brennenden Wunsch gründete er am 8. September 1875 in Steyl, einem Dorf an der Maas bei Venlo in den Niederlanden, das erste „Missionshaus“. Aus diesem unscheinbaren Anfang erwuchs die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“, die wir heute als Steyler Missionare kennen.

Aber warum gründete Arnold Janssen den Orden in Steyl, obwohl er ein Deutscher war? Die Zeit, in der er den Orden gründete, war eine schwierige Zeit. Es war in der Zeit des Kulturkampfes, also die Zeit, in der Otto von Bismarck gegen den Einfluss der katholischen Kirche im Deutschen Kaiserreich kämpfte (1871 - 1887).

Es gab ein sogenanntes Jesuitengesetz: „Das Jesuitengesetz vom 4. Juli 1872 verwies den ‚Orden der Gesellschaft Jesu und die ihm verwandten Orden und ordensähnlichen Kongregationen‘ aus dem Gebiet des Deutschen Reiches“. Arnold Janssen sagte in dieser schwierigen Zeit: „Wir leben in einer Zeit, wo vieles zugrunde geht; aber gerade deshalb muss anderes neu entstehen.“ Vor diesem Hintergrund ging Arnold über die Grenze nach Steyl. Dort konnte er den Orden gründen, da er nicht mehr auf deutschem Boden war. Deswegen nennt man uns hier im deutschsprachigen Raum „Steyler Missionare“, also die Missionare aus Steyl. Unser eigentlicher Name lautet SVD (Societas Verbi Divini), ins Deutsche übersetzt „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“.

Arnold Janssen hat mit seiner Vision und Hingabe den Grundstein für eine weltweite Mission gelegt, die sich über fünf Kontinente erstreckt. Inzwischen sind wir Steyler beinahe 6000 Mitglieder aus 76 Nationalitäten und sind in 79 Ländern aktiv. Hier in Deutschland sind wir um die 215 Mitbrüder.

Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres 150 Jahre Steyler Missionare.
Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres 150 Jahre Steyler Missionare.

Dankbarkeit

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, mit dieser Entwicklung haben wir Grund zur Freude und Dankbarkeit. Wir wollen zunächst Gott, unserem Schöpfer danken, für seine unendliche Treue und Führung in diesen 150 Jahren. Wir schauen auch heute auf jene, die uns auf diesem langen Weg getragen haben. Wir denken dankbar zurück an die Generation von Mitbrüdern um Arnold Janssen, die vor 150 Jahren den Mut hatten, sich ganz in den Ruf Gottes zu stellen. Sie vertrauten auf die Kraft des Evangeliums und legten ein Fundament, auf dem wir heute weiterbauen dürfen.

Wir danken unseren verstorbenen und lebenden Mitbrüdern, die in diesen 150 Jahren an so vielen Orten der Welt hingebungsvoll das Evangelium verkündet und die Menschen in ihrer Freude und ihren Nöten begleitet haben.

Unser Dank gilt ebenso unseren Partnerinnen und Partnern im Glauben, Lay Associates, Freundinnen und Freunden, den Menschen, die mit uns zusammenarbeiten, und den vielen Wohltäterinnen und Wohltätern, ohne deren Großherzigkeit und Gebete unsere missionarische Arbeit niemals möglich gewesen wäre. Sie alle sind Teil dieser Geschichte, die Gott mit uns schreibt. Alle haben dazu beigetragen, das Licht, das von Arnold Janssen entzündet wurde, in die Welt weiterzutragen. Und dieses Licht soll auch heute noch weitergereicht werden.

Pater Bernd Werle SVD las das Evangelium im Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres 150 Jahre SVD.
Pater Bernd Werle SVD las das Evangelium im Abschlussgottesdienst des Jubiläumsjahres 150 Jahre SVD.

Licht

Wie wichtig Licht ist, sehen wir vor allem im Winter. In der Adventszeit sehnen wir uns nach Licht. Licht dient in der Bibel unter anderem als Symbol für Lebendigkeit und Lebensfreude. Es symbolisiert auch die Gegenwart Gottes. Dies wird deutlich im Johannes-Prolog, der unserem Stifter wichtig war. Dort steht: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“.

Das Motto unseres Jubiläums greift dieses Thema Licht auf: „Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle“. Dieses Licht ist Jesus Christus. Er ist das Licht der Welt, das in die Finsternis gekommen ist. Und wir Steyler Missionare, aber auch alle, die hier anwesend sind, sind gerufen, dieses Licht überall und für alle zu tragen. Wir sind gerufen, zu den Menschen, die am meisten von der Finsternis betroffen sind: zu den Armen, den Kranken, den Ausgegrenzten. Wir sind gerufen, Zeugnis abzulegen von der Liebe Gottes, von seiner Barmherzigkeit und von seiner Frohen Botschaft.

Unser Jubiläumsmotto „Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle“ erinnert uns daran, dass wir nicht berufen sind, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Licht Christi weiterzutragen.

Schatten

Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, auch wenn wir in den 150 Jahren viel Gutes getan haben, müssen wir leider eingestehen, dass es uns nicht immer gelungen ist, Licht in die Welt zu tragen.

Es wäre nicht redlich, nur die Licht-Seiten unserer 150-jährigen Geschichte zu feiern, ohne auch die Schatten-Seiten anzuerkennen, die diese Geschichte verdunkeln. Dazu zählt die Tatsache, dass wir Steyler Missionare einige Mitbrüder in unseren Reihen hatten, die Schutzbefohlene, Minderjährige und Abhängige missbraucht und zutiefst verletzt haben.

Diese Taten des Missbrauchs sind ein Verrat an allem, wofür wir als Steyler Missionare stehen. Uns ist bewusst, dass Worte allein nicht ausreichen. Wir sind verpflichtet, uns den Konsequenzen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und unsere Strukturen so zu gestalten, dass sie Schutz und Heilung bieten, nicht Leid und Schmerz.

Im Namen des Ordens erkennen wir das enorme Leid der betroffenen von Missbrauch und Grenzüberschreitungen an. Wir bedauern zutiefst, dass wir nicht immer dem Licht unseres Glaubens und unserer Mission gerecht geworden sind. Unser Auftrag, ‚Zeugnis abzulegen für das Licht‘, verpflichtet uns dazu, diese Wahrheit offenzulegen, uns der Aufarbeitung zu stellen und alles dafür zu tun, dass sich solche Verbrechen nie wiederholen.

Und gerade deshalb ist unser Jubiläumsmotto ein Auftrag: Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle. Auch in das eigene Dunkel hinein, auch gegenüber denen, die verletzt wurden. So kommt unsere Mission zur Erfüllung.

Abschlussgottesdienst 150 Jahre Steyler Missionare in Sankt Augustin
Abschlussgottesdienst 150 Jahre Steyler Missionare in Sankt Augustin

Mission

Was unsere Mission ist, fasst das Motto unseres Jubiläums zusammen: „Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle“. Liebe Mitchristen, diese Mission bzw. dieser Auftrag ist nicht nur für die Missionare, sondern für uns alle. Es ist ein Auftrag, der uns in die Welt sendet, so wie es auch im Evangelium des heutigen Tages anklingt.

Der Text des Evangeliums wirkt auf den ersten Blick vielleicht verstörend. Jesus fordert uns auf, Vater, Mutter, Ehefrau, Kinder, Brüder, Schwestern und sogar das eigene Leben zu hassen. Er spricht vom Kreuz-Tragen und davon, alles aufzugeben, was wir besitzen.

Hassen? Ist das die Botschaft Christi? Selbstverständlich nicht! Es geht um die Radikalität, mit der wir uns auf Jesus einlassen. Es geht um die Entschiedenheit, mit der wir uns auf den Weg der Nachfolge begeben.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, Arnold Janssen hat auf seine Weise auf den Ruf Gottes gehört und Zeugnis für das Licht abgelegt. Was ist mit uns? Das Evangelium muss hinaus in die Welt. Nicht nur für einige. Nicht nur dort, wo es bequem ist. Sondern „überall und für alle“.

„Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle“.

Was heißt das heute, für Sie und für mich?

  • Es heißt, das Licht Christi in eine Welt zu tragen, die oft im Schatten steht – durch Krieg, Ungerechtigkeit, Einsamkeit.
  • Es heißt, nicht nur zu reden, sondern zu leben – in Gemeinschaft, in Solidarität, im Dienst.
  • Es heißt, sich selbst nicht zu schonen – wie Jesus es fordert: „Wer nicht sein Kreuz trägt, und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“
  • Es heißt, Offenheit zu zeigen, denn das Licht Christi kennt keine Grenzen, keine Sprachen, keine Kulturen.
  • Es heißt, im Rahmen meiner Möglichkeiten die Welt zu verbessern.
  • Es heißt, dass ich bereit bin, zu teilen.

Wir haben nicht alle Mittel, aber wir haben das Entscheidende: den Glauben und das Vertrauen, dass Gott selbst unser Bauherr ist. Diesen Glauben sehen wir bei Arnold Janssen, als er 1874 mittellos dem Bischof von Roermond, Johann August Paredis, berichtete, dass er beabsichtigt, ein Haus für die Ausbildung von Missionaren zu bauen. Da staunte der Bischof und sagte: Entweder ist er ein Narr oder ein Heiliger. Und heute sehen wir, was aus dem Orden der Steyler Missionare, die er gegründet hat, geworden ist.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, mögen wir einen ähnlichen Glauben wie den von Arnold Janssen haben, der uns ermutigt, Licht in die Welt zu tragen. Der Auftrag der Mission hat nicht aufgehört. Gerade in diesen schwierigen und unruhigen Zeiten braucht es Menschen, die Zeugnis für das Licht ablegen – überall und für alle. Überall wo wir sind, soll unser Leben ein Hinweis auf Christus sein. Möge dieses Jubiläum uns stärken, Zeugnis abzulegen – überall und für alle.

Provinzial Pater Peter Claver Narh SVD

Sankt Augustin, 7. September 2025

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