Pilgern & Wallfahren: Romeria – Wallfahrt in Solidarität

Brasilien

Deutschland

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19. Nov 2025

Die Romeria in Brasilien ist eine Art der Wallfahrt, die sich auf alltägliche Probleme bezieht und die Solidarität mit den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Darüber hat der Steyler Missionar Franz Helm SVD in einem Vortrag berichtet.

Pilgern & Wallfahren: Romeria – Wallfahrt in Solidarität
Pilgern & Wallfahren: Romeria – Wallfahrt in Solidarität

Im Vortrag der Akademie Völker und Kulturen am 14. November in Sankt Augustin ging es vor allem um Einsichten in diese Wallfahrtstradition, die Dr. Franz Helm SVD von seiner Lehrzeit als Steyler Missionar in der Kirche Brasiliens nach Österreich mitgebracht hatte.

Dazu berichtete Pater Helm von seinem Einsatz im Bundesstaat Rio de Janeiro in den Jahren 1987 bis 1993. Dort erlebte er eine lebendige Kirche, die sich in Basisgemeinden organisierte und die Arbeit in der Pfarrei befreiungstheologisch und an der Option für die Armen ausrichtete. Das bedeutete die Begegnung und das Engagement für und mit landlosen Kleinbauern, die um ihre Lebensmöglichkeiten und Zugang zu Land kämpften und in diesem Zusammenhang auch ihre „Romarias da terra“, die „Wallfahrten in Solidarität mit Landlosen“ organisierten.

Pater Helm zeigte anregende Fotos, in denen man die große Zahl der Wallfahrer sehen konnte, mit denen Bischöfe, viele Religiose und Basisgemeindeverantwortliche unterwegs waren und ihre Hoffnung feierten. Er sang ein biblisch inspiriertes Wallfahrtslied der Basisgemeinden vor, in dem der direkte Zusammenhang von Verständnis des Befreiungsgeschichte in der Bibel mit dem Kampf um eine Veränderung der aktuellen Gesellschaft deutlich sichtbar wird. In einer Strophe des Liedes heißt es: „Zum gelobten Land ist das Volk Gottes marschiert. Mose ging voran. Heute sind wir Mose, wenn wir uns dem Unterdrücker entgegenstellen!“

Wallfahrt als Weggemeinschaft mit Flüchtlingen

Nach dieser Hinführung berichtete Pater Helm ausführlich von Aktionen, die im und um das Missionshaus St. Gabriel der Steyler Missionare in Österreich stattfanden. Dabei ging es immer wieder um Flüchtlinge und Migranten. So wurde eine Weihnachtskrippe in diesen Zusammenhang gestellt: Auch Jesus wurde als Migrantenkind geboren und teilte das Schicksal von Flüchtlingen.

Zwischen 2010 und 2019 fanden „Flüchtlingswallfahrten“ statt, die von einer Flüchtlingsunterkunft am Stadtrand von Wien über einen 24 Kilometer langen Weg ins Flüchtlingsheim in St. Gabriel führten und dort mit Begegnungen und einem politischen Nachtgebet ihren Abschluss fanden. Diese Wallfahrten brachten engagierte und solidarische Menschen mit Flüchtlingen und Migranten zusammen und thematisierten politische Vorgänge im Zusammenhang mit Migranten und Flüchtlingen. Informationen aus erster Hand von Flüchtlingen und Migranten spielten dabei immer eine große Rolle. Es ging um Weggemeinschaft und Austausch.

Begegnung mit Jesus Christus in der Solidarität

Die etwa 40 Teilnehmer an diesem Vortrag erlebten das Zeugnis von einer lebendigen Kirche.
Die etwa 40 Teilnehmer an diesem Vortrag erlebten das Zeugnis von einer lebendigen Kirche.

Pater Helm berichtete, wie politische Machenschaften schließlich dazu führten, dass das von der Caritas geführte Flüchtlingsheim in St. Gabriel geschlossen werden musste. Andere Formen solcher Wallfahrten in Solidarität stellten die Schöpfung in den Mittelpunkt und in neuerer Zeit besonders auch Klimagerechtigkeit, den Klimawandel und den Umweltschutz. Solche Formen von Wallfahrt bringen immer wieder Aktivisten aus verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Perspektiven zusammen.

Was Pater Helm und viele Religiose in diesem Engagement bewegt, ist die Frage nach dem oft abwesend erlebten Gott, aber auch die Erfahrung der Begegnung mit Jesus Christus in der Solidarität mit ausgegrenzten Menschen, die nach Lebensmöglichkeiten und Gerechtigkeit suchen. Die etwa 40 Teilnehmer an diesem Vortrag erlebten das Zeugnis von einer lebendigen Kirche, die durch ihr Zusammenführen von biblisch ausgerichtetem Glauben und der Suche nach Lebensmöglichkeiten in einer bedrohten sozialen und wirtschaftlichen Umgebung vielfache Anregungen gaben, um im Umfeld von St. Gabriel und der Steyler Missionare und Missionsschwestern in Österreich neue Formen von Glaubensfeiern in Solidarität zu entwickeln.

Text: Christian Tauchner SVD

Akademie Völker und Kulturen: Vorträge 2025/26

Die Akademie Völker und Kulturen bietet einer breiten Öffentlichkeit Vorträge zu religiösen und gesellschaftspolitischen Themen an. In jedem Winter wird ein bestimmtes Thema als Reihe von sechs Vorträgen von Experten behandelt. Für die Vortragsreihe 2025/26 lautet das Thema „Pilgern und Wallfahren“. Der nächste Vortrag, „Mexiko: Wallfahrt zur Guadalupe“ von Prof. Dr. Margit Eckholt, findet am 5. Dezember um 19:30 Uhr in Sankt Augustin statt. Näheres erfahren Sie auf der Webseite der Akademie Völker und Kulturen.

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