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Mexiko
08. Dez 2025
In der Begegnung mit der Jungfrau von Guadalupe geht es um die Entdeckung des befreienden und heilenden Gottes. Das wurde beim Vortrag von Prof. Dr. Margit Eckholt in der Akademie Völker und Kulturen deutlich.

Der Vortrag am 5. Dezember stand unter dem Titel „Wallfahrt zur Virgen de Guadalupe“ und bezog sich auf die größte Wallfahrt im katholischen Raum, die im Norden von Mexiko-Stadt zu Anfang Dezember ihren Höhepunkt findet und Millionen Verehrer dieser Mariengestalt anzieht.

Die Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie (Osnabrück) Dr. Eckholt stellte im Missionspriesterseminar St. Augustin zunächst die Geschichte der Guadalupe vor: Kurz nach der Eroberung und Zerstörung des Aztekenreichs 1521 erschien die Vornehme Frau dem Indigenen Juan Diego auf dem Tepeyac-Hügel und schickte ihn mit einer Botschaft zum Bischof. Sie erweist sich Juan Diego gegenüber als eine hilfreiche, barmherzige und befreiende Mutter für alle, die Schutz und Hilfe suchen.
Der Bericht von dieser Begegnung wurde von indigenen Gelehrten wenige Jahrzehnte nach dem Ereignis in der indigenen Sprache Náhuatl am Rand der christlich kolonialen Herrschaft aufgezeichnet und überliefert. Ein Jahrhundert später steht die verbreitete Verehrung und formelle Anerkennung des Heiligtums fest. Im Lauf der Geschichte wurde die Figur dieser Jungfrau Tonantzin Guadalupe zu einem Symbol für die persönliche und nationale Identität der Mexikaner aller sozialen Schichten und Gruppen.
Prof. Eckholt zeigte mit Bildern und Verweisen auf den ursprünglichen Text, dem „Nican Mopohua“, dass es sich in diesem Ereignis und seiner Aufnahme in die geistige und kulturelle Welt der Indigenen und Mestizen Mexikos um einen Prozess von Inkulturation handelt, den man auch theologisch verstehen muss. Das heißt, dass sich hier zeigt, wie die christliche Botschaft einen Ausdruck in einer anderen Kultur fand und damit eine Wirkung zeigt, die sich nicht aus der kolonialen Mission durch die Kirche allein erklären lässt.
Prof. Eckholt erklärte, dass dieser Prozess nicht einfach war, sondern eine konfliktreiche Entwicklung durchmachte, in der verschiedene Vorstellungen vom christlichen Glauben ins Spiel kamen, etwa in der Auseinandersetzung mit den Marienvorstellungen der „Virgen de los Remedios“ der spanischen Tradition und der „Virgen de Guadalupe“ mit dem örtlichen indigenen Hintergrund.
Im Ereignis am Tepeyac-Hügel 1531 und der Wallfahrt zur Guadalupe geht es um eine Erneuerung der ganzen Schöpfung, wegen der Naturbezogenheit der Vornehmen Frau und Juan Diegos, und um die Eröffnung von neuen Lebensmöglichkeiten nach einer langen Geschichte von Gewalt und Zerstörung. Diese Botschaft zieht auch heute die Mexikaner und Lateinamerikaner an und vermittelt ihnen Trost und Hoffnung.
Text: Christian Tauchner SVD


