Generalsuperior besucht ältere Steyler: „Mission ist Hingabe“

Deutschland

01. Sep 2025

Der Generalsuperior der SVD, Pater Anselmo Ricardo Ribeiro, hat die Deutsche Provinz besucht und Gespräche mit unseren älteren Mitbrüdern geführt. Im Interview spricht er über seine Reise und seine Sicht auf die SVD im Jubiläumsjahr.

Begegnung im Mariensaal des Wendelinusheims. Pater Cletus Colaco begrüßt Genealsuperior Pater Anselmo Ricardo Ribeiro. Auch Bruder Reinhard Niesel (im Hintrgrund) hatte Gelegenheit zu einem Gespräch.
Begegnung im Mariensaal des Wendelinusheims. Pater Cletus Colaco begrüßt Genealsuperior Pater Anselmo Ricardo Ribeiro. Auch Bruder Reinhard Niesel (im Hintrgrund) hatte Gelegenheit zu einem Gespräch.

Sie haben Ihre Reise in die Deutsche Provinz angetreten, um unsere älteren Mitbrüder zu besuchen. Was hat Sie auf diese Idee gebracht und was konnten Sie aus diesen Gesprächen mitnehmen?

Der Besuch bei den älteren Mitbrüdern hat im Rahmen des Jubiläumsjahres der SVD stattgefunden. Ich würde sagen, dass es sich weniger um eine Idee als vielmehr um eine Notwendigkeit handelt. Zu Beginn des Jubiläumsjahres haben wir gesagt, dass diese Feier alle einbeziehen sollte. Daher ist es selbstverständlich, dass die Begegnung mit denen, die ihr Leben der Mission gewidmet haben, ein wesentlicher Bestandteil dieser Zeit ist, in der wir evaluieren, feiern und auf die Zukunft vorausschauen. Ich hatte das Vergnügen, drei wichtige Kommunitäten zu besuchen: Sankt Augustin, St. Michael (Steyl) und St. Wendel. Die Begegnungen mit diesen Gemeinschaften und die Gespräche mit einigen Mitbrüdern haben mir bestätigt, dass Mission aus Hingabe und Großherzigkeit besteht. Das Leben dieser Männer, die sich der Mission verschrieben haben, ist davon geprägt. Auch ihren Ruhestand erleben sie mit großer Dankbarkeit. Ich glaube, ich habe gelernt, dass Dankbarkeit in unserer Mission nicht fehlen darf.

 Bei einer Führung durch das Kesselhaus in Steyl trug sich der Generalsuperior ins Gästebuch ein. Er lobte das Engagement der Freiwilligen für das Kesselhaus. (Foto: Heinz Helf SVD)
Bei einer Führung durch das Kesselhaus in Steyl trug sich der Generalsuperior ins Gästebuch ein. Er lobte das Engagement der Freiwilligen für das Kesselhaus. (Foto: Heinz Helf SVD)

150 Jahre Geschichte der SVD haben gezeigt, dass unsere Gemeinschaft oft die Bedürfnisse der Zeit erkannt hat, um zu wachsen, in der Welt wirksam zu werden und das Göttliche Wort zu verbreiten. Was sind die Bedürfnisse der heutigen Zeit? Wie können wir ihnen gerecht werden?

Die SVD ist in ihrer 150-jährigen Geschichte beträchtlich gewachsen. Wenn wir die Bedürfnisse der Gegenwart betrachten, müssen wir nicht nur die Anforderungen unserer Zeit berücksichtigen, sondern auch die konkreten Nöte jeder Lebenswirklichkeit, in der wir leben. Obwohl die Bedürfnisse Europas in gewisser Weise denen anderer Kontinente ähneln, kann man beispielsweise nicht behaupten, dass die Suche nach dem Sinn des Lebens oder die Herausforderung der Einsamkeit in einigen afrikanischen Kulturen oder unter den indigenen Völkern Südamerikas in gleicher Weise auftreten.

Ganz allgemein glaube ich, dass wir die Hoffnung zurückgewinnen müssen – das heißt, das Vertrauen in Gott und den Glauben an das Potenzial der Menschheit. Wir können nicht alles an Algorithmen abgeben und unsere Verantwortung für die Gestaltung der Welt, in der wir leben, auslagern. Ein weiteres, offenbar gemeinsames Bedürfnis ist das nach Versöhnung, welche die Heilung offener Wunden in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft fördert – einschließlich der Kirche. Anders gesagt: Dieser Versöhnungs- und Heilungsprozess sollte uns zu einem Leben in Brüderlichkeit führen. Das ist vielleicht das größte Bedürfnis: wiederzuentdecken, dass wir alle Brüder sind.

Es braucht weiterhin Gerechtigkeit und Fürsorge für die Armen, Überwindung von Spaltung, neue politische Perspektiven sowie eine neue Art, Menschen zu führen.

Wenn Sie es sich vorstellen: Wie sieht Ihre Vision für die SVD in den nächsten 10, 20 oder sogar 150 Jahren aus?

Vielleicht sollten wir eher über Hoffnung als über Visionen sprechen. Arnold Janssen war ein Visionär; ich sehe mich selbst als jemanden, der Hoffnung hat und daher handelt, um Dinge zu verändern. Die SVD ist noch eine junge Kongregation. Das Durchschnittsalter aller Mitglieder beträgt 49,2 Jahre. Das bedeutet, dass wir auch in zehn Jahren noch dem über die ganze Welt verstreuten Volk Gottes dienen werden. Allerdings hat sich das Erscheinungsbild der SVD bereits deutlich verändert. Heute kommt die Mehrheit unserer Mitglieder aus Asien und nicht mehr aus Europa. Während die Berufungen in Afrika zunehmen, gehen sie in Nord- und Südamerika zurück. Dies wird sich auf unseren missionarischen Weg auswirken, und in 20 Jahren könnten unsere interkulturellen Gemeinschaften eingeschränkter sein. Die Spiritualität und das Charisma, die wir als Erbe von unserem Gründer übernommen haben, werden zunehmend von Laien gelebt. Das ist ein gutes Zeichen für die Gegenwart und die Zukunft.

Es ist möglich, dass beim 175-jährigen Jubiläum der SVD Laien die Hauptrolle spielen werden. Ich wage es nicht, mehr über die Zukunft zu sagen, da ich glaube, dass sie in Gottes Händen liegt. Ich glaube auch, dass wir es nur durch das Wirken und die Gnade des Heiligen Geistes so weit gebracht haben, der die Kongregation weiterhin leiten wird, wie er es seit ihren Anfängen mit dem heiligen Arnold Janssen getan hat.

P. Anselmo R. Ribeiro, SVD
Rom, 28. August 2025

Begegnungen in St. Wendel (obere Reihe, von links): Der Generalsuperior mit Pater Alfons Müller, Pater Georg Pierk und Bruder Alfons Schario. (Fotos: Rudolf Schario SVD, Alfons Müller SVD)

Generalsuperior Pater Anselmo Ricardo Ribeiro im Steyler Kesselhaus. (unten, Fotos: Heinz Helf SVD)

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