„Im Dialog mit Religionen und Kulturen verstehen wir Gott besser“

Deutschland

05. Nov 2025

Pater Joe Antonydoss stammt aus Südindien. Seit über 20 Jahren ist er Steyler Missionar. Er stellt sich vor als neuer Mitarbeiter des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts in Sankt Augustin – einem Ort, den er gut kennt.

„Im Dialog mit Religionen und Kulturen verstehen wir Gott besser“

Du bist seit Juli hier in der Deutschen Ordensprovinz – wieder, denn du kennst Sankt Augustin aus deiner Zeit als OTP-Student (OTP = Overseas Training Program). Was ist deine neue Aufgabe hier?

Ich bin Mitarbeiter am Steyler Missionswissenschaftlichen Institut und freue mich sehr darüber, dass ich eine Aufgabe habe, die meinem Studium der Missiologie entspricht. Christian Tauchner, der Institutsleiter, unterstützt mich sehr. Ich bin sehr zufrieden.

Und du kannst an deine frühere Zeit hier anknüpfen. Hast du noch Freunde hier oder einen Mentor?

Ganz klar Martin Üffing; er kennt meinen Lebensweg, seit ich als OTP-Student hier war. Es geht allen Mitbrüdern meines Alters so; er ist unser Mentor. Als ich Student war, war er unser Präfekt und Xavier Alangaram sein Stellvertreter. Beide haben uns begleitet und unterstützt. Als ich nach Indien zurückging, um mein Studium dort zu beenden, war Martin Rektor des Hauses. Als ich ein zweites Mal nach Deutschland kam, hatte er mich ermuntert, die Deutsche Provinz als erste Priorität anzugeben; da war er Provinzial. Als mein weiterführendes Studium in Vallendar nicht zustande kam, hat Martin Üffing mich bestärkt, an der Gregoriana Universität in Rom Missiologie zu studieren. Er hat dort selbst studiert und in Missiologie promoviert.

Was hat dich am Studium der Missiologie gereizt?

Schon als Theologiestudent hat mich das Thema interessiert: Gott hat eine Mission. Gott ist in sich Beziehung als Vater, Sohn und Heilger Geist. Er hat die Schöpfung ausgesandt, und die Menschen sind immer wieder in diese Sendung hineingenommen. Das ist eine Bewegung, die wir sehen; Bewegung und Beziehung. Wir nehmen daran teil in der Begegnung mit Gott und anderen Menschen. Das Studium an der Gregoriana hat diese Vorstellung für mich noch einmal erweitert – auf die anderen Religionen.

Gottes Mission ist nicht auf uns Christen beschränkt, sondern es geht dabei immer wieder neu um die Anderen. Gottes Mission bezieht Menschen verschiedener Religionen und Kulturen ein. Mission hat mit Dialog zu tun: Wenn wir in den Dialog mit Menschen verschiedener Religionen und Kulturen treten, dann hat das auch Einfluss auf unseren Dialog mit Gott. Dann verstehen wir ihn besser. Davon bin ich überzeugt. Darin, das herauszuarbeiten, sehe ich unsere große Chance in der Missionswissenschaft seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, nachdem wir Christen uns vorher fast ausschließlich mit uns selbst beschäftigt haben.

Pater Joe Antonydoss SVD: "Gottes Mission bezieht Menschen verschiedener Religionen und Kulturen ein."
Pater Joe Antonydoss SVD: "Gottes Mission bezieht Menschen verschiedener Religionen und Kulturen ein."

Wann und warum hast du dich auf deinen Weg als Missionar begeben?

Ich bin 2004, also vor mehr als 20 Jahren in die SVD eingetreten – im Bistum Trichy im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Dort lebt auch mein Onkel; er ist Diözesanpriester.

Also hat dein Onkel eine Rolle gespielt bei deiner Berufung?

Ja, aber das ist eine längere Geschichte. Immer, wenn ich Höhen und Tiefen erfahre in meinem Leben, denke ich daran zurück. Vor meinem Schulabschluss wurde ich schwer krank. Ich musste zuhause bleiben und konnte nicht in die Schule gehen. Ich habe weiter gelernt, so gut es ging, aber es war in der Vorbereitungszeit auf meinen Abschluss. Da habe ich zum ersten Mal ganz persönlich aus tiefstem Herzen gebetet – und dabei erfahren, dass Gott mich ruft. Ich habe Gott gebeten, mir durch die Krankheit und die Prüfungen zu helfen, und ihm dafür versprochen, dass ich von da an mein Leben für ihn und die Menschen leben wollte.

Ich hatte so eine Erfahrung vorher nie gemacht. Ich bin zwar in die Kirche gegangen, aber eher auf Drängen meiner Eltern. Ich sprach also mit meinem Onkel, der bereits Priester war und öfter bei uns zu Besuch kam, und natürlich mit meinem Vater. Mein Vater war der Meinung, dass mein jüngerer Bruder ins Priesterseminar gehen sollte, weil er regelmäßig in die Kirche ging und ein spiritueller Mensch war.

Mein Vater und meine Geschwister dachten so. Aber mein Onkel sagte, er sehe das anders. Da er im Bistum Trichy Diözesanpriester war und es dort ein Seminar der SVD gibt, sagte er mir, dass ich Ordenspriester werden soll. Ich bin bis heute sehr zufrieden damit, dass es so gekommen ist.

Die meisten Steyler kommen ziemlich in der Welt herum. Das trifft auch auf dich zu. Ist das immer leicht? Wie empfindest du das?

In dem Moment, in dem eine Veränderung anstand, habe ich nicht immer verstanden, warum mein Leben diesen Weg einschlägt. Aber hinterher habe ich oft dem Heiligen Geist gedankt, weil ich gesehen habe, dass er mich auf einen guten Weg geführt hat.

Zum Beispiel, als mein Lizenziat in Deutschland nicht zustande kam und Martin Üffing sagte, dass ich nach Rom gehen soll. Ich habe zwar ja gesagt, aber in mir war auch eine Stimme, die fragte: Wieder eine neue Sprache, ein neues Land, eine neue Stadt? Martin sagte, dass Gott mir vielleicht etwas zeigen will. Er hatte Recht. Heute bin ich sehr froh.

Das Interview führte Sebastian Quillmann.

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