Deutschland
15. Sep 2025
Die vier von Steyler Missionaren betreuten Pfarreien in München feierten unter Leitung von Pater Vijay Kumar Tirkey SVD gemeinsam den Abschluss des Jubiläumsjahres „150 Jahre Steyler Missionare“ in der Kirche Wiederkunft des Herrn.

Zum ersten Mal haben die vier Münchner Gemeinden, in denen Steyler Missionare wirken (St. Joachim, St. Hedwig, St. Matthias, Wiederkunft des Herrn), gemeinsam die Eucharistie gefeiert. Die Feier in Wiederkunft des Herrn stand unter dem Motto: „Zeugnis ablegen für das Licht – überall und für alle.“
Pater Xavier Alangaram SVD betonte das Gottvertrauen: „Der Herr führt jeden Menschen Schritt für Schritt.“ Pater Xavier rief: „God is good.” Alle antworteten: „All the time!” P. Xavier darauf: „All the time!” Und alle bestätigten: „God is good!”
Arnold Janssen war ein Mann dieses Gottvertrauens. Er hörte, was Gott ihm ins Herz legte, und er hatte den Mut, es zu tun. Der inzwischen heiliggesprochene Ordensgründer hat das Werk angefangen – und Gott hat es groß gemacht. Inmitten der Bedrängnis – gerade damals in der Zeit des Kulturkampfes – musste „anderes neu entstehen“. Der heilige Arnold Janssen hat sich vom Heiligen Geist leiten lassen. Er wollte ein deutsches Missionshaus gründen. Der damalige Bischof von Roermond soll gesagt haben: „Entweder ist dieser Mann ein Narr oder ein Heiliger.“

Was hat Arnold Janssen bewegt? Das Wort Gottes. Die Abkürzung der Ordensgemeinschaft SVD steht für „Societas Verbi Divini“, die „Gemeinschaft des Göttlichen Wortes“. Der Name bringt zum Ausdruck: Das Wort ist lebendig. Der heilige Arnold Janssen war Werkzeug des Göttlichen Wortes.
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eins, das geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Joh 1,1-4)
Dieses lebensspendende Wort ist Herzschlag, ist Antrieb: Weil Gott die Welt liebt, sind wir gesandt, die Liebe sichtbar zu machen. Oder wie es der China-Missionar Josef Freinademetz sagte: „Die Sprache der Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen.“

Die Geschichte des Ordens der Steyler beinhaltet auch die Geschichte des Gegenwindes, der Krankheit, der Gefahr, der Ablehnung. In der Zeit des Kulturkampfes wurde das erste Missionshaus in den Niederlanden, in Steyl, am 8. September 1875 eingeweiht. Von dort wurden die ersten beiden Missionare nach China entsandt, darunter der später heiliggesprochene Josef Freinademetz.
Schon in China, ihrem ersten Missionsland, haben die Steyler mitten unter den Menschen gelebt, ihre Kultur und Sprache verstehen gelernt. Eine Erfahrung, die sie auch für die Mission in Argentinien, im heutigen Papua-Neuguinea in Togo und an vielen anderen Orten der Welt geprägt hat.
Heute, 150 Jahre später, sind etwa 9.200 Schwestern, Brüder und Patres in 79 Ländern der Welt für Gottes Werk missionarisch tätig. Ihre Spiritualität wird über unzählige Menschen lebendig weitergegeben in Schulen, Krankenhäusern, in der Hilfe für Menschen auf der Flucht, im interkulturellen und interreligiösen Dialog, in Regionen der Welt, wo Armut, Krieg und Klimakatastrophen herrschen. Ein Zeichen der Hoffnung setzen die Steyler Missionare aber auch in Europa, wo Glaubensmüdigkeit immer mehr um sich greift.

Liebe ist universal. Was kann ich tun? Welchen Beitrag, welches Zeugnis kann ich leisten mit Kopf, Herz und Händen? Es geht darum, treu zu sein im Kleinen, Mut zu haben im Alltag. Man muss nicht stark und glänzend sein. Es genügt, nach dem Vorbild der beiden Steyler Heiligen Arnold Janssen und Josef Freinademetz offen zu sein für den Heiligen Geist und treu zu sein im Kleinen. In meinem persönlichen Alltag kann ich Zeugnis sein, Frieden stiften, den Schwachen beistehen, Gerechtigkeit einfordern, Brückenbauer sein. Jeder kann und darf ganz genau hinhören: Was möchte Gott mir sagen?
Mit seiner Predigt ist es Pater Xavier gelungen, die Dankbarkeit für das Geschaffene, die Freude über das Gegenwärtige und die Zuversicht für das Zukünftige mit der sehr zahlreich mitfeiernden Gemeinde in Freude zu teilen.
Sieben Steyler Patres aus sieben Nationen wirkten als Konzelebranten mit, begleitet von zehn Ministranten. Den musikalischen Rahmen schuf der klangvolle Projektchor gemeinsam mit unseren Lieblings-Projektmusikern unter bewährter Leitung von Herrn Ruprecht.
Was bleibt von diesem Jubiläumsjahr? Das Bewusstsein der Missio Dei: Jeder ist Missionar der Liebe Gottes.
Text: Dr. Claudia Lorenz-Horn


Viel zu schnell war unser Festgottesdienst vorbei. Fleißige Hände hatten einen besonderen Rahmen für das Nachmittagsprogramm geschaffen.

Sanela und Otto kümmerten sich um Bestuhlung und Dekoration des Pfarrsaals. Lilian Kaiser und Pater Anthony Van Nhat Chu kochten für rund 150 Personen – scharfe nepalesische Linsensuppe und mildere thailändische Hühnersuppe. Mit Ramona war das Küchenteam komplett.
Nach dieser leiblichen Stärkung fuhr Pater Xavier, Missionssekretär und Geschäftsführer der Steyler Mission, mit seinem Vortrag „Interkulturalität im heutigen Gesellschaftsgeschehen“ fort. Zur Einstimmung bat er die vietnamesischen Studentinnen um einen Tanz und stellte fest, dass nicht nur Inderinnen tanzen können.

Pater Xavier berichtete über seine Aufgabe als Missionssekretär, von seinen Besuchen der verschiedenen Projekte in aller Welt und von Begegnungen mit treuen Missionsfreunden und großzügigen Spendern. Wir erfuhren, wie wir die Steyler Mission unterstützen können und nach welchen strengen Regeln die Spendengelder verteilt werden.
Trotz Rückgang der Berufungen aus Europa ist Steyler Nachwuchs vor allem aus Indonesien und den asiatischen Ländern bereit, nach den Regeln des heiligen Arnold Janssen zu leben und zu wirken.
Pater Vijay eröffnete noch vor der Fragerunde das Kuchenbuffet. Marianne und Rosa Maria übernahmen die Ausgabe. Nach der Fragerunde – vor allem zu Projekten, Finanzen und Mission – gab es Gesang. Pater Birk, unser großer Denker und Dichter, reimte „Am Puls der Zeit“ und beschrieb seine Mitbrüder in unseren Pfarrverbänden:
• Pater Vijay aus Indien, der hier seine neue Heimat gefunden hat.
• Pater Birk selbst, der Senior, der sich von den Jungen Patres immer wieder mitreißen lässt.
• Pater Joseph, der nicht wie die Sternsinger auf dem Kamel, sondern per Flugzeug nach St. Hedwig kam.
• Pater Nhat, unser junger Kaplan im Pfarrverband Fürstenried-Maxhof.
• Pater Jonas, der sich um seine philippinischen Landsleute in München kümmert.

Da unsere Patres sangesfreudig sind, wurde einfach weitergesungen. Der Nachmittag nahm schwungvoll und melodisch einen schönen Ausklang. Pater Xavier erinnerte an seinen weiten Rückweg nach St. Augustin und verabschiedete sich.
Wir Münchner wechselten von Pfarrsaal in die Kirche zur gemeinsamen Vesper mit Pater Altus. In seiner Ansprache dankte er besonders dem Bischof Raimondi (1827-1894), Apostolischer Präfekt von Hongkong, der Arnold Janssen überredete, ein Missionshaus zu errichten. Arnold Janssen sagte: „Machen sie ihre Herzen zu einem Altar, von dem ohne Unterlass ein Opfer des Dankes gegen Gott den Herrn emporsteigt.“
Ja, wir haben Grund dankbar zu sein – gegenüber Gott, gegenüber Arnold Janssen, den Steylern und auch all unseren Gemeindemitgliedern, unseren zahlreichen Helferinnen und Helfern, Sängerinnen und Sängern, Kuchenbäckerinnen und -bäckern. Erfüllt von Dankbarkeit traten wir unseren Heimweg an.
Wir hoffen, dass wir mit unseren Spenden für das Steyler Projekt „150 Brunnen weltweit“ einen guten Beitrag für besonders bedürftige Regionen leisten konnten.
Text: Petronilla Maier