Deutschland
01. Okt 2025
Die Nachricht kam für Augustine Dery überraschend: Für sein Pastoralpraktikum im Ausland ging es für ihn nach Deutschland und zur Vorbereitung ausgerechnet nach Sankt Augustin – an einen Ort, dessen Namenspatron er teilt.

Augustine Dery ist als OTP-Student (OTP = Overseas Trainig Program) im Juni nach Sankt Augustin gekommen. Er absolviert gerade seinen Deutschkurs und wird danach in der Deutschen Ordensprovinz pastorale Erfahrung sammeln. Augustine stammt aus Ghana und trat dort 2018 den Steyler Missionaren bei. Sein Noviziat verbrachte er ab 2021 in Sambia. In Chicago in den USA studiert er seit 2023 Theologie.
Augustine, was ging dir durch den Kopf, als du wusstest, dass es für dich als nächstes ausgerechnet nach Sankt Augustin geht?
Dieser Name ist nicht einfach nur ein Name für mich. An einen Ort zu kommen, der nach meinem Namenspatron, dem heiligen Augustinus von Hippo benannt ist – das kann doch kein Zufall sein. [Er lacht.] Gottes Wege sind unergründlich. Ich bin gespannt, was mich, Augustine, in Sankt Augustin erwartet.
Seit du angekommen bist, hast du schon etwas von Deutschland gesehen. Was hat den größten Eindruck auf dich gemacht?
Der Kölner Dom! Er ist einfach wunderschön mit all seiner Kunst, die zeigt und ausmalt, woran wir glauben. Kunst anzuschauen, hält oft eine Botschaft für uns bereit oder eine Erklärung, wie wir die Botschaft der Schrift verstehen können. Manchmal, wenn ich mir alte Kunstwerke anschaue, finde ich, dass eine Hingabe aus ihnen spricht, die sich schwer mit moderneren Werken vergleichen lässt. Wenn man sich vorstellt, wie viel Handwerkskunst in so einer Kathedrale steckt, die ohne die heutigen technischen Möglichkeiten gebaut wurde. Die Menschen wollten damals etwas ausdrücken, das sie selbst übersteigt. Und das ist auch für mich das Wesen der Kunst: Sie reicht über die physische Welt hinaus.
Warst du schon in Steyl in unserem Mutterhaus oder in Goch, der Geburtsstadt unseres Gründers?
Ja, natürlich. Mein Lieblingsort in Steyl war die Unterkirche mit dem Sarkophag des heiligen Arnold. Das Glasfenster mit seinem farbenfrohen Mosaik ist erstaunlich. Wie es das Licht hereinlässt. Es ist ein Ort der Stille, der auch innerlich ruhig macht; ein heiliger Ort. Ich fühlte einen großen Frieden in mir vor dem Grab des Mannes, auf den das Missionswerk der SVD zurückgeht.
In Goch habe ich das Haus gesehen, in dem er aufwuchs und mit seiner Familie lebte. Die kleinen Räume und die Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Es hat mich berührt, dass Arnold aus einfachen Verhältnissen stammte und diese Einfachheit ihm geholfen hat, auf den Heiligen Geist zu hören, sich dem Wort Gottes zu verschreiben und der zu werden, der er war. Mir kam der Gedanke: Gott kann aus jedem Menschen, egal woher er stammt, ein Werkzeug seines Willens machen.

Wie ist deine Geschichte? Wann fühltest du dich berufen, einem Orden beizutreten und Priester zu werden?
Nach der High School hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass Gott mit mir etwas anfangen will in meinem Leben. Aber mir war noch nicht klar, was es sein sollte. Erst kam mir der Gedanke, Arzt zu werden, ein Kardiologe, weil es in Ghana nur wenige Fachärzte dieser Disziplin gibt. Zugleich war da auch schon der Gedanke, dass ich in ein Priesterseminar eintreten könnte. Ich entschied mich erst einmal für eine medizinische Pflegeschule, um als Krankenpfleger den ersten Schritt in Richtung Arzt zu gehen. Dort hatten wir einen Ausbilder, der uns sagte, dass Krankenpflege mehr als ein Beruf sei, nämlich eine Berufung. Ich verstand, dass nicht nur ein geistliches Leben eine Berufung Gottes sein kann. So viele Menschen gehen von der Geburt bis zum Ende ihres Lebens durch die liebevollen Hände von Hebammen, Krankenschwestern und Pflegern.
Gleichzeitig haben mich diese Gedanken dazu gebracht, mehr über meine Berufung nachzudenken, und ich entdeckte: Es war für mich der Ruf zum priesterlichen Leben. Es sollte eine Ordensgemeinschaft sein, weil ich von den Diözesanpriestern, die ich kennengelernt habe, oft den Eindruck hatte, dass sie sehr auf sich allein gestellt waren. Außerdem habe ich in meiner Reflektion den Eindruck gewonnen, es sollte eine Gemeinschaft sein, die das Göttliche Wort und den Heiligen Geist in den Mittelpunkt stellt. So bewarb ich mich um die Aufnahme in das Seminar der SVD.
SVD wird ja auch scherzhaft übersetzt mit „Sie verreisen dauernd“. Dein Weg führte dich zum Theologie-Studium in die USA. Wie kam es dazu?
Eigentlich hatte ich gedacht, dass ich im Kongo oder in Kenia studieren würde. Doch dann wurde es überraschend Chicago. Auch das war so ein Moment, in dem ich dachte: Da hat „jemand“ einen Plan für mich, den ich noch gar nicht verstehe.
Hast du in Chicago auch den bekannten Theologen Stephen B. Bevans SVD kennengelernt?
Ja, ich habe viel von ihm gelernt. Er ist ein guter Freund und Mentor. Ich schätze seine Theologie und seine Predigten sehr. Ich teile seine Ansicht, dass Theologie und Mission im Kontext stattfinden, also die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort einbeziehen sollten. Wenn man die Kulturen kennt, kann man sie mit einer afrikanischen, einer ghanaischen, einer kenianischen Theologie viel direkter ansprechen und sie mit dem Evangelium da abholen, wo sie stehen. Natürlich braucht es auch eine universelle Lehre, aber die Geschichte der Mission auf dem afrikanischen Kontinent hat gezeigt: Diejenigen Missionare hatten Erfolg, die auf die Menschen vor Ort eingegangen sind und nicht versucht haben, ihnen etwas überzustülpen, das anderswo auf der Welt gut passt, aber eben nicht hier.
Kulturelle Sensibilität braucht auch die Kenntnis von Sprachen. Du lernst gerade Deutsch. Wie fühlt es sich an? Hast Du schon ein Lieblingswort?
Ich muss gestehen, dass die deutsche Sprache nicht leicht zu lernen ist. Es gibt Tage, an denen ich einfach verwirrt bin, von dem, was ich lernen soll. Und es gibt Tage, an denen ich es verstehe und mich freue. Das sind die Tage, aus denen ich Kraft schöpfe. Ich habe schon bevor ich nach Deutschland kam ein paar Wörter gelernt und mochte den Klang des Wortes „wunderbar“. Inzwischen habe ich ein neues Lieblingswort entdeckt, das mir aber in der Aussprache noch ein wenig schwerfällt: „herrlich“. Und es ist auch schön, dass man daraus die „Herrlichkeit“ machen kann, die noch hinausgeht über alles, was im physischen Sinne herrlich ist.
