Ist es richtig dass, die Seminaristen (das heißt hier: die Steyler Studenten/ Fraters) nur im Haus sind und nur beten und studieren? Die Worte „Seminaristen“ oder „Priester-Kandidaten“ werden öfters mit Beten, Studieren oder anderen geistlichen Übungen in Verbindung gebracht. Vielleicht denken die Leute, dass die Seminaristen wirklich Meister in diesen Dingen sind. Das ist zumindest das, was ich erfahren habe. Die Menschen, denen ich begegnet bin und auch meine Verwandten, haben mich sehr oft gebeten, für sie und ihre Anliegen zu beten. Vielleicht sind sie der Meinung, dass das Gebet eines Seminaristen wirksamer ist. Außer Beten gehört das Lernen und Studieren, also in unserem Fall Philosophie und Theologie, zur Aufgabe eines Seminaristen. Das Studieren ist wichtig, damit sie später gesprächfähig und bereit sind, den andren Menschen zu helfen. Ist das alles, was zum alltäglichen Leben eines Seminaristen gehört? Es ist richtig, dass das Beten und Studieren wichtig für die Seminaristen ist. Aber es sind nicht die einzige Aktivitäten, mit denen sich die Seminaristen beschäftigen. Das Studieren und Beten allein genügt nicht zur Ausbildung eines Seminaristen. Sie müssen auch etwas anderes tun. Die Theorie allein reicht nicht. Ein Seminarist muss auch die Situation der Menschen im praktischen Leben kennen lernen. Um die konkrete Situation zu erfahren, muss er wirklich unter den Menschen sein Sie müssen Erfahrungen machen und auch lernen, wie sie nach innen mit den anderen Mitstudenten und nach außen mit den anderen Menschen umgehen. Um dies zu konkretisieren, haben wir noch viele gemeinsamen Aktivitäten, wie zum Beispiel das Beisammensein (Konveniat) einmal pro Woche, gemeinsamen Kaffee jeden Tag, Sport, Hausarbeit, und andere gemeinsame Aktivitäten. Das sind die Aktivitäten nach innen. Sie haben das Ziel, den Charakter der Gemeinschaft zu verstärken. Zu den Aktivitäten nach außen gehören die Apostolate: Praktika in der Pfarrei, in Schülen oder Familien. Sie sind auch wichtig, da unser Orden ein Missionsorden ist. Das bedeutet, wir müssen Erfahrungen machen, wir müssen zu den Menschen gehen, wir müssen von der konkreten Situation der Menschen lernen, da wir später unter den Menschen arbeiten werden. Unser Provinzial Pater Bernd Werle SVD hat einmal in einem Interview in der Zeitschrift „Stadt Gottes“ gesagt, der passende Ort, wo wir arbeiten, sei unter den Menschen. Wir haben zur Zeit eine Musikgruppe, die sich „Musik Apostolat“ nennt. Ich gehöre zu dieser Gruppe. Wir lernen viele Lieder aus verschiedenen Kulturen und sind bereits in verschiedensten Orten und Pfarrein aufzutreten. Von unserem Namen her ist es klar, dass wir nicht nur Musik machen oder singen, sondern auch Zeugnis geben wollen, einfach durch unsere Anwesenheit und das Gespräch mit den Leuten. Wir wollen auch von den Menschen lernen. Ich bin davon überzeugt, es lohnt sich für die Ausbildung eines Seminaristen. Unter dem Motto „varietas delectat“ möchte ich diesen Artikel abschließen. Die verschiedenen Programmen sind eine Variation, damit das Leben bunter wird und man nicht schnell ermüdet. Die vielseitigen Aktivitäten geben auch einfach Mut und Motivation, das Leben weiter zu tragen. Sonst würde es langweilig. Fransiskus Dose
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