PLURALISTISCHE RELIGIONSTHEOLOGIE UND MISSION Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind eine historische Zäsur mit weltweiten Folgen. Dahinter steht das Faktum religiösen Fundamentalismus unter dem Motiv des Durchsetzungsversuchs der „Hegemonie des Einen“. Für die Religionsfanatiker ist die Postmoderne mit ihrem Plädoyer für die Pluralität der Wahrheiten sowie mit ihrem Fortschrittszwang unter dem Kapitalismus ein Dorn im Auge. Die Pluralität heterogener Diskurse ist für sie der Grund religiös-moralischen Werteverfalls. Was zählt, ist der geforderte religiöse Konsens, der für alle verbindlich gelten soll. Die pluralistische Religionstheologie setzt einen Gegenakzent mit vielen nachdenklich machenden Fragen. Wäre es nicht zukunftweisend, wenn ein universales Denkmuster entwickelt würde, in dem für die äquivalente Gleichordnung der Religionen plädiert werden würde? Stehen nicht alle Religionen in einem Zusammenhang letztlicher Gemeinsamkeit, wobei sie auf den gleichen Transzendenzgrund zurückgehen, in vielen Wesenszügen einander verwandt sind und auf dasselbe Heilsziel zusteuern? Warum soll der Absolutheitsanspruch der Wahrheit bei jeder Religion festgehalten werden, wenn dies mehr Unfrieden als Frieden in der Welt verursacht? Im Bewusstsein der Gefahr der „Hegemonisierung des Einen“ auf der einen Seite und der „Beliebigkeit des Vielen“ auf der anderen Seite widmet sich die Hochschulwoche der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin (vom 18. bis 22. Oktober 2010) dem Thema: „Missionsbegründung auf dem Hintergrund einer pluralistischen Religionstheologie“, veranstaltet vom Steyler Missionswissenschaftlichen Institut in Sankt Augustin in Zusammenarbeit mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule SVD St. Augustin. Mit diesem Thema wollen wir einerseits die Frage aufwerfen, wie das christliche Selbstverständnis und dessen Identität unter den Bedingungen des religiösen Pluralismus weiterhin gefördert und neu definiert werden können, andererseits aber auch eine kritische Würdigung der pluralistischen Religionstheologie leisten, um die damit verbundene Problematik in Erscheinung treten zu lassen, was für die Bestimmung christlicher Identität von Bedeutung sein kann. Wir haben kompetente Referenten gewinnen können, die sich bereits mit diesen Fragen samt ihrer Problematik auseinandergesetzt haben. Wir laden Sie zu dieser spannenden thematischen Auseinandersetzung herzlich ein. Steyler Missionswissenschaftliches Institut Sankt Augustin Philosophisch-Theologische Hochschule SVD Sankt Augustin P R O G R A M M Montag, 18. Oktober 2010 20.00 Uhr Begrüßung der Teilnehmer Einführung in die Thematik Dr. Polykarp Ulin Agan SVD, Sankt Augustin Dienstag, 19. Oktober 2010 9.00 Uhr Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel, Münster Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen 15.00 Uhr Prof. Dr. Joachim G. Piepke SVD, Sankt Augustin Interreligiöser Dialog mit den Afro-Brasilianern. Unmöglichkeit eines gemeinsamen Verstehenshorizonts Mittwoch, 20. Oktober 2010 9.00 Uhr Dr. Adam Was SVD, Lublin Christliche Identität und interreligiöser Dialog mit dem Islam im europäischen Kontext 15.00 Uhr Prof. em. Dr. Heino Sonnemans, Bonn Christliche Orientierung im Pluralismus der Religionen Donnerstag, 21. Oktober 2010 9.00 Uhr Prof. Dr. Bertram Stubenrauch, München Mission im Zeitalter des Religionsdialogs 15.00 Uhr PD Dr. Heinz-Werner Wessler, Bonn Führt das multireligiöse Zusammenleben zu interreligiöser Spiritualität? Historische Erfahrungen und theologische Perspektiven in Indien Freitag, 22. Oktober 2010 9.00 Uhr Prof. em. Dr. Peter Knauer SJ, Brüssel Christus in den Religionen – Interiorismus, Dialog, Pluralismus |