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| Auf Eselshufen kommt man auch voran, nur ein bisschen langsamer. |
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Ich lebe mit zwei Mitbrüdern in einer Wohnung in München, in die wir erst kürzlich eingezogen sind. Eines Abends gingen wir zu zweit auf einen Spaziergang, um das Viertel zu erkunden und uns die Füße zu vertreten. Wir entdeckten, wie grün es um uns herum war und wie wohltuend die parkähnliche Anlage, die sich zwischen den hohen Wohnblocks durchzog. Wir kamen an einer Pizzeria vorbei, einem Getränkemarkt, fanden die für uns nächste U-Bahn-Haltestelle und suchten dann in einem Bogen allmählich wieder zu unserer Bleibe zurückzukehren. Dabei gingen wir durch ruhiges Wohngebiet mit kleinen Häusern. Natürlich waren die Straßen, wie in allen Städten, voll gestellt mit Autos. Auf einem kleinen Stadtwagen, es war einer dieser kurzen Smarts, entdeckte ich im Vorbeigehen folgenden Spruch: „Is der Weg länger als der Karrn, wird gefahrn.“ Da blieb ich stehen und lachte vor mich hin. Auch mein Begleiter musste schmunzeln, als ich ihn auf den Aufkleber aufmerksam machte. Für manch einen ist das Auto mehr als ein fahrbarer Untersatz, es ist ihm zur einzigen Fortbewegungsart geworden. Wenn er aus dem Haus geht, dann nur, um gleich ins Auto zu steigen und damit wegzufahren. Wenn er am Ziel angelangt ist, dann parkt er das Auto so nah wie möglich am Eingang, damit er nur ja keinen Schritt zu viel zurücklegen muss. Alle Parkverbotsschilder und schriftlichen Ermahnungen verzweifelter Eigentümer können ihn da überhaupt nicht schrecken.
Das Gehen scheint ihm als eine überholte und verachtenswerte Art des Fortkommens, die vielleicht noch für den Steinzeitmenschen passte, aber nicht mehr für den zivilisierten homo sapiens. Nur, wo es nicht zu vermeiden ist, setzt er unwillig Fuß vor Fuß, um sich auf die alte, steinzeitliche Methode zu bewegen, doch nur, um so schnell wie möglich wieder mithilfe eines Verbrennungsmotors oder einer anderen Maschine auf Rädern seine Strecke zurückzulegen.
Und wir zwei gehen spazieren, spüren, wie gut es uns tut, das Gehen. Verspannungen in Bauch und Schultern lösen sich mit jedem Schritt ein wenig mehr. Die Luft, die ich bewusst einatme, macht meinen Kopf frei. Ich erinnere mich, dass früher mein Opa jeden Tag seine Runde gedreht hat, eine Stunde mindestens. Dabei ließ er sich auch nicht von schlechtem Wetter abhalten. Wenn ich ehrlich bin, bin ich oft zu faul, um rauszugehen und zu spazieren. Auch glaube ich häufig, es mir wegen der anstehenden Arbeiten nicht erlauben zu können. Wenn ich es dann aber doch wieder tue, dann mache ich die Erfahrung, wie gut es mir tut, wie entkrampfend es wirkt und erholsam es ist. Danach bin ich dann wieder gelassener und auch ein bisschen fröhlicher bei der Arbeit, die Ideen strömen leichter.
Das Gehen ist wohl eine der einfachsten Formen von Selbsttherapie, die es gibt. Der ganze Körper kommt in Schwung, das Blut zirkuliert besser. Die Lunge füllt sich mit frischem Sauerstoff, die Nervenenden in den Füßen werden bei jedem Schritt massiert. Das kommt dem ganzen Körper zugute. Gehen ist einfach gesund. Gehen bringt mich auf einfache Weise in direkte Verbindung mit der Natur. Beim Gehen lasse ich mich auf den natürlichen Rhythmus meines eigenen Körpers ein. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum das Pilgern so in Aufschwung gekommen ist.
Wer geht, der erfährt, dass es seine Zeit braucht, eine Strecke zurückzulegen. Da gibt es nicht viel zu beschleunigen, es sei denn man würde laufen. Das Gehen macht einen geduldig und ausdauernd, weil im beständigen Schritt das Ziel dann doch erreicht wird. Man muss nur die nötige Ausdauer haben.
Für das geistliche Leben und das innerliche Wachsen ist diese Erfahrung etwas ganz Wichtiges. Da gibt es kein Automobil, das einen schnell über die Autobahn vom kindlichen Verhalten zur reifen Weisheit brausen lässt. Hier geht es wie eh und je nach der uralten Steinzeitmethode Schritt für Schritt voran. Selbst im Zeitalter des Automobils und Flugzeugs. Wer im Alltag das Gespür für Wege verliert, für das Aufbrechen auf ein Ziel hin und das geduldige Hinwandern darauf, der tut sich auch schwerer, Geduld und Ausdauer für die Wege der Innerlichkeit aufzubringen.
Jesus war viel zu Fuß unterwegs, ein paar Mal auch auf einem Esel. Dabei hat er vieles entdeckt, woran man heute im geschlossenen Auto mit klimatisierter Atmosphäre und HiFi-Sound vorbeirauscht, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu bekommen. Man muss ja pünktlich zum nächsten Termin kommen. Warum man so viele Termine hat? Man will ja schließlich seine Brötchen verdienen. Warum man so viel arbeitet? Man will genug Geld haben, damit man sich vieles Schöne leisten kann. Warum man so wenig Zeit hat, das Schöne zu genießen? Man muss sich ja anstrengen, um den Posten nicht zu verlieren und aufzusteigen.
Ich kreiere mir jetzt einen anderen Aufkleber, darauf schreibe ich: „Rast und flitzt du wie blöd, wird’s Leben schnell öd.“ Sollten Sie mich einmal auf der Straße damit sehen, geben Sie mir doch ein Zeichen mit der Lichthupe. Dann weiß ich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Danke!
Übrigens wird es nach dem Buch der Offenbarung eine Zeit geben, da werden die Händler keine Wagen mehr verkaufen (Offb 18,13). Wer dann gut zu Fuß ist, hat einen klaren Vorteil!
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